Sr. Joanna Jimin Lee MC, Konzertpianistin aus Wien

Dass Joanna Jimin Lee einmal ihre beiden Lebensträume verwirklichen würde, daran hat sie zuletzt selbst nicht mehr geglaubt. „Konzertpianistin und Ordensschwester zu werden, das war schon ein ziemlich ausgefallenes Programm“, schmunzelt sie. Und weil man sich im Leben nun einmal entscheiden muss, entscheidet sich Lee für das Klavier.

Seit ihrem vierten Lebensjahr hat die kleine Koreanerin Klavierunterricht genommen, hat schnell Spaß gefunden an öffentlichen Auftritten. „Nur mit dem Üben hatte ich es nicht“, gesteht Lee. Fortschritte muss sie dennoch gemacht haben, sonst hätte sie wohl kaum mit 14 schon öffentlich das Mendelssohn-Klavierkonzert spielen dürfen. Dieser Auftritt, erzählt sie rückblickend, war für sie wie ein Erweckungserlebnis. „Plötzlich war da etwas zwischen mir und dem Publikum. Ich war weit weg und doch mitten bei den Menschen. Das hatte etwas Magisches.“ Für Joanna steht fest: Dieses Gefühl will sie öfter erleben. Sie will Konzertpianistin werden.

 

In Korea aber möchte sie die Ausbildung nicht absolvieren. „Die letzten drei Schuljahre dort sind schrecklich“, erzählt sie. „Das ist eine riesige Konkurrenzmaschinerie um die Aufnahme an die Uni.“ Vom Klavierspiel hätte sie die Büffelei nur abgelenkt. Also verlässt Joanna, kaum 16-jährig, mit dem Segen ihrer Eltern ihre Heimat, um sich in Sankt Petersburg ganz dem Klavier zu widmen. Von dort aus geht es weiter nach Wien, in die „Hauptstadt der Musik“, wie Lee es nennt. An der dortigen Musikuniversität und später auch am renommierten Salzburger Mozarteum holt sich die junge Musikerin den letzten Schliff. Einer Karriere als Konzertpianistin scheint nichts mehr im Wege zu stehen.

Doch da ist noch etwas, das Lee nicht loslässt. Tief in ihr ist da dieser Wunsch, Ordensschwester zu werden. Bei ihrer Erstkommunion hat sie ihn erstmals gespürt, ehe die Musik in ihrem Leben die Oberhand gewann. „Aber ganz weg war das nie“, betont die 40-Jährige in ihrem hörbar wienierisch gefärbten Deutsch. Immer wieder sucht sie Kontakt zu Ordensfrauen. Bei einer spirituellen Urlaubswoche kommt sie erstmals in Berührung mit dem Orden der Missionarinnen Christi – und erfährt quasi en passant, dass in diesem Orden alle Schwestern einen Zivilberuf ausüben, und dass darunter auch eine Musikerin ist. Die gemeinsamen Gebetszeiten, so wird ihr erzählt, legen die einzelnen Gemeinschaften selbst fest, was Spielraum für unterschiedliche berufliche Aktivitäten lässt. Die junge Frau wird hellhörig.

Ein wenig später trifft Lee in Wien eine andere Missionarin Christi. Beide Frauen sind in etwa gleich alt, sie beginnen einen regelmäßigen Austausch, freunden sich an. Die Freundschaft hält auch, als Joanna Jimin Lee zurück nach Korea geht, wo ihr eine Klavierprofessur angeboten wurde. Ist das nicht ein Zeichen? Als dann noch eine Beziehung in die Brüche geht, steht für die junge Musikerin fest: Sie wird zurück nach Europa gehen und als Postulantin bei den Missionarinnen Christi eintreten.

joanna_2Sieben Jahre ist das mittlerweile her – und Joanna Jimin Lee hat den Entschluss nicht bereut. „Christus steht nun ganz im Mittelpunkt meines Lebens“, beschreibt sie in den inneren Kern ihrer Ordensberufung. Hier schließt sich auch ein Kreis zu ihrer Kindheit, die auf eine sehr intensive Weise von Glauben und Kirche geprägt war. Ihre Eltern hatten sich als Erwachsene taufen lassen. „Die Kirche war seitdem das wichtigste für sie.“ Der Vater, ein niedergelassener Arzt, hatte seine Praxis auf dem Gelände der Pfarrei. In seiner Freizeit engagierte er sich ehrenamtlich für die Gemeinde, wirkte in den verschiedensten Gremien mit. Auch die Mutter war in der Pfarrei aktiv, zum Beispiel bei der Gestaltung von Kindergottesdiensten.

Beim Katholikentag in Leipzig tritt Schwester Joanna als Pianistin auf. Und sie wird bei einer Werkstatt sprechen zum Thema „Ordensfrauen heute – gottverbunden, freigespielt“. Dort will sie den Besuchern erzählen, dass das Ordensleben heute viel bunter ist, als Uneingeweihte oft denken. Dass Ordensfrauen keine grauen Mäuse sind, sondern „Frauen, die ihr Leben im Orden und in der Welt aktiv gestalten“. Die Stadt Leipzig ist ihr dabei nicht fremd. Während ihres Noviziats hat Lee zwei Praktikumsmonate in der dortigen Katholischen Studentengemeinde absolviert. Die Kirche vor Ort hat sie damals – der Diasporasituation zum Trotz – als jung und dynamisch erlebt. „Das wird, denke ich, auch den Katholikentag prägen.“

Text, Bilder und Video sind lizenziert nach der Creative Commons Attribution CC BY-ND 4.0.

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