Britta Taddiken, Pfarrerin an der Leipziger Thomaskirche

Wer kennt sie nicht, die Leipziger Thomaskirche ? Bach und Mendelssohn haben einst dort gewirkt. Der weltberühmte Thomanerchor hat hier seine Heimat. Pfarrerin an dieser Kirche zu sein, muss eine großartige Aufgabe sein, dachte sich Britta Taddiken. Als die zweite Pfarrstelle bundesweit ausgeschrieben wurde, zögerte sie nicht lange und bewarb sich. Mit Erfolg: Seit 2011 ist die musikbegeisterte Pinnebergerin als Pfarrerin an der Thomaskirche tätig, 2014 rückte sie in der Hierarchie nach oben und übernahm von Christian Wolff die erste Pfarrstelle. Sie ist die erste Frau in der über 800-jährigen Geschichte des Gotteshauses.

Ob sicbritta_taddiken_hochh der Traum erfüllt hat? Britta Taddiken wägt ihre Antwort sorgsam ab. Die Arbeit sei sehr erfüllend, sagt sie, aber auch herausfordernd und anstrengend. Es habe eine Weile gedauert, bis sie verstanden habe, was es bedeutet, als Pfarrerin in einer Stadt tätig zu sein, in der getaufte Christen eine Minderheit darstellen. „Manchmal habe ich das Gefühl, dass wir Christen hier in einer Parallelwelt leben“, gesteht sie. In aller Welt kennt man die Thomaskirche. Aber viele Leipziger nehmen sie gar nicht wahr. „Klar, jeder kennt die Thomaner. Aber dass dahinter eine Kirche, eine Gemeinde steht, das wissen die wenigsten hier“, erklärt die 45-Jährige.

Inzwischen, sagt Taddiken, hat sie gelernt, mit der Situation umzugehen. Klar, viele Menschen kommen nur der Musik wegen in ihre Gottesdienste. „Aber ich nehme sie als Gemeinde, ganz egal, warum sie kommen.“ Was beim ersten Hinhören ganz rational klingt, hat bei Taddiken durchaus einen kämpferischen Unterton:

„Meine Aufgabe ist es, hinaus zu den Menschen zu gehen und sie mit der christlichen Botschaft bekannt zu machen, durchaus auch offensiv“

erklärt sie. Ihre Predigten und Ansprachen stellt sie deshalb immer auch ins Netz. Und das wird wahrgenommen, weit über die Grenzen ihrer Gemeinde hinaus. „Die meisten Zuschriften bekomme ich von Menschen, die keine Mitglieder sind.“

Genau aus diesem Grund begrüßt es die Pfarrerin, dass die Glaubensgeschwister ihren 100. Katholikentag ausgerechnet in Leipzig veranstalten. Vereinsmentalität zu pflegen und sich selbst zu feiern, sei gewiss einfacher, aber nicht Aufgabe der Kirchen. „Wir müssen in der öffentlichen Debatte präsent sein und uns auch der Kritik stellen“, ist Taddiken überzeugt. Und diese Überzeugung teilt sie mit ihren katholischen Kollegen vor Ort. Die ökumenische Zusammenarbeit, erzählt sie, ist in Leipzig sehr angenehm, vieles wird ganz unbürokratisch auf dem kleinen Dienstweg geregelt. Was sicher auch mit der gemeinsamen Diasporaerfahrung zusammenhängt: „Wir können uns ein Gegeneinander gar nicht erlauben“, meint Taddiken nüchtern.

Thomaskirche, © Stadt Leipzig

Thomaskirche, © Stadt Leipzig

Und so bringt sich die evangelische Kirche in Leipzig selbstverständlich beim Katholikentag mit ein. Die Kirchen stellen Räumlichkeiten zur Verfügung, Gemeindemitglieder beherbergen Besucher. Auch die „Leipziger Disputation“ – eine alljährlich stattfindende Diskussionsveranstaltung in Erinnerung an das Streitgespräch zwischen dem katholischen Theologen Johannes Eck und den Reformatoren Martin Luther, Andreas Karlstadt und Philipp Melanchthon 1519 in Leipzig – wird dieses Jahr ins Katholikentagsprogramm eingebunden. Und natürlich wird Taddiken selbst an Gottesdiensten und Veranstaltungen teilnehmen.

Ob es sie manchmal verlockt, in die norddeutsche Heimat zurückzukehren, in der sie bis 2010 auch beruflich zu Hause war? Einmal mehr gibt sich Britta Taddiken ganz sachlich. Ein paar Jahre möchte sie sicher noch in Leipzig bleiben, bevor sie sich auf die Suche nach neuen Herausforderungen macht. Ob es dann zurück in den Norden oder vielleicht noch einmal ganz woanders hingeht, darüber lohnt es sich einstweilen noch nicht, zu spekulieren.

Text und Bilder sind lizenziert nach der Creative Commons Attribution CC BY-ND 4.0.

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