Familie Kaiser-Tamaschke aus Uttstadt in Mittelfranken

Fragt man Magdalena Kaiser, auf was sie sich beim Katholikentag am meisten freut, bekommt man sofort eine Antwort: „Auf die Wise Guys“, sagt die 15-Jährige und strahlt dabei über das ganze Gesicht. Gemeinsam mit ihren Eltern und ihrer zwölfjährigen Schwester Hannah fährt die Schülerin Ende Mai aus dem fränkischen Uttstadt nach Leipzig. „Für uns Mädels ist es der erste Katholikentag“, betont Mutter Hedwig. Dementsprechend gespannt ist sie auf das bunte Christentreffen.

Ein großer Familienausflug soll es werden – und zwar in doppelter Hinsicht. Denn Vater Lutz Tamaschke („Mein Mann wollte meinen Namen nicht“) ist gebürtiger Leipziger. Atheistisch erzogen, fand er im Teenager-Alter zum Glauben. Freunde hatten ihm von Gott erzählt und ihn mitgenommen in die Kirche. Doch öffentlich machen, wollte er das zunächst nicht. Denn Lutz‘ Vater war Polizist in der DDR, und ein gläubiger Sohn hätte seiner beruflichen Laufbahn ein schnelles Ende bereiten können. Um den Vater zu schützen, besuchte der junge Mann die Messe nicht daheim, im Vorort Engelsdorf, sondern fuhr dazu eigens in die Innenstadt. Auch taufen ließ er sich erst mit 20, als sicher war, dass das nicht mehr auf den Vater zurückfallen kann.

Nach beruflichen Stationen in Leipzig und Birkenwerder – etliche Jahr lang war Tamaschke Hausmeister im dortigen Karmel – verschlug es den gelernten Maler Anfang der 1990er Jahre nach Mittelfranken. An der Fachschule der Barmherzigen Brüder in Gremsdorf machte er eine Ausbildung zum Heilerziehungspfleger. „Ich wollte etwas mit Menschen machen“, begründet der 53-Jährige seine berufliche Neuorientierung. Doch es blieb nicht beim Berufswechsel: An der Schule lernte er Hedwig Kaiser kennen – und verspürte erst einmal kein Bedürfnis mehr, zurück in den Osten zu gehen. Auch an den fränkischen Dialekt hat sich Tamaschke mittlerweile gewöhnt – selbst wenn er den Sachsen bis heute nicht verleugnen kann.

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Glaube und Kirche spielen bei Familie Kaiser-Tamaschke eine wichtige Rolle. „Es ist etwas Alltägliches“, beschreibt es Magdalena. Das Gebet zu Hause gehört ebenso zum Familienalltag wie der gemeinsame Gottesdienstbesuch. Hannah ist als Ministrantin aktiv, und Mutter Hedwig unterstützt die Gemeinde als Taufkatechetin. Bei der Erstkommunion ihrer Töchter leitete sie jeweils eine Vorbereitungsgruppe. „Und manchmal helfen wir auch beim Putzen der Kirche.“

Dass der 100. Katholikentag ausgerechnet in seiner Heimatstadt stattfindet, das findet Lutz Tamaschke „große Klasse“. In jüngster Zeit habe Sachsen ja vor allem für Negativschlagzeilen gesorgt. „Da ist es wichtig, dass auch mal etwas dagegengesetzt wird.“ So viel wie möglich wollen die vier vom großen Glaubensfest mitnehmen. Ausführlich haben sie dazu das Programm studiert – mehrfach. „Sich aus dieser Fülle das Passende herauszusuchen, fällt nicht leicht“, gesteht Tamaschke. Und so ist jetzt schon klar: Nicht immer werden sie alle dasselbe machen. „Natürlich wollen wir den Katholikentag als Familie erleben, aber das bedeutet nicht, dass wir jede Veranstaltung im Viererpack besuchen“, erklärt Mutter Hedwig, Hinzu kommt, dass sie vor Ort noch auf die Familie des Vaters treffen. „Und die suchen sich vielleicht wieder andere Veranstaltungen aus.“

Wer wo hingeht, das wird die fränkisch-sächsische Familie wohl erst vor Ort endgültig entscheiden. Nur der Abschlussgottesdienst ist für alle festgesetzt. Und natürlich das Wise Guys-Konzert. Darauf achtet Magdalena ganz besonders.

Text und Bilder sind lizenziert nach der Creative Commons Attribution CC BY-ND 4.0.

2 Kommentare

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  1. Babsi

    Ihr vier seit fränggisch SUBBER:-)
    (inkl sächsischer Version)
    Viel Spass und Freit in Lutz-Heimat
    an Schwesterherz Schwägerlein Nichte und große Parin

  2. M.W.

    Interessant, was man über diese (auch mir bekannte) äußerst sympathische
    Familie doch noch so alles erfährt…