Martin Dulig, Staatsminister für Wirtschaft, Arbeit und Verkehr in Sachsen

„Ich habe wohl einen Hang zu Minderheiten“, scherzt Martin Dulig. „Ich bin Sachse, SPD-Mitglied, bekennender Christ und seit 23 Jahren mit derselben Frau zusammen. Und tätowiert bin ich auch nicht.“ Seit 2014 ist Dulig als Staatsminister für Wirtschaft, Arbeit und Verkehr Mitglied der sächsischen Landesregierung. Zudem bekleidet er das Amt des stellvertretenden Ministerpräsidenten. Seinen Humor hat er darüber nicht verloren.

Fragt man Dulig, was ihn als Person ausmacht, bekommt man eine fast schon poetische Antwort. Sein Leben ruhe auf zwei Säulen, erklärt er, seinem Glauben und seinem politischen Engagement. Darüber liege, quasi als Dach, die Familie. Keines lässt sich vom anderen trennen – das zeigt schon ein Blick in die Biografie des Ministers. Geboren 1974 in Plauen wuchs Dulig in einem kirchlich geprägten Elternhaus auf. Vater Dulig war Diakon, seine Frau Kirchenwartin. Dass ihre vier Kinder evangelisch getauft wurden, verstand sich da von selbst. Ebenso selbstverständlich aber waren auch die Repressionen, der die Familie seitens des DDR-Regimes ausgesetzt war. Keiner seiner Brüder wurde, trotz guter schulischer Leistungen, zum Abitur zugelassen. Dass er selbst Abitur machen und später auch studieren konnte, verdankt er der Wende, die sein Leben in neue Bahnen lenkte.

Martin-Dulig_neuSchon als Jugendlicher war Martin Dulig in der Kirche, genauer gesagt in der „Jungen Gemeinde“ aktiv. Dort, so erzählt er, lernte er sich einzubringen. Und er erlebte erstmals, wie gewinnbringend es sein kann, wenn Entscheidungen in einem demokratischen Prozess gefällt werden. Der Impuls, sich darüber hinaus auch politisch zu engagieren, kam während der Friedlichen Revolution 1989. Bei einer Demonstration wurde sein ältester Bruder verhaftet. „Da war mir klar: Ich muss mich engagieren, aktiv werden.“ Obwohl erst 15 Jahre alt, trat Dulig einer Initiativgruppe zur Gründung der Jungen Sozialdemokraten, dem Jugendverband der neu gegründeten SDP, bei. Seit 1992 ist er Mitglied der SPD.

Dass die Sozialdemokratie Duligs politische Heimat wurde, ist wiederum familiär begründet. Schon zu Hause habe man „sozialdemokratisch diskutiert“, wenn man mal wieder auf Mittelwelle den Deutschlandfunk hörte. Außerdem, so der Minister, war die SPD nach der Wende die einzige unbelastete Partei. „Die CDU und die Liberalen hatten ja mit dem SED-Regime zusammengearbeitet.“ Duligs Aufstieg bei den Sozialdemokraten ließ nicht lange auf sich warten. 1999 wurde er zum Vorsitzenden der sächsischen Jusos gewählt, ein Jahr später auch in den SPD-Landesvorstand. Seit 2004 ist er Abgeordneter im sächsischen Landtag, 2007 übernahm er dort das Amt des Fraktionsvorsitzenden, 2009 wurde er zum Vorsitzenden der SPD Sachsen gewählt.

Doch damit nicht genug. Parallel zu seiner politischen Karriere studierte Dulig Erziehungswissenschaften an der TU Dresden und arbeitete freiberuflich als Trainer in der Erwachsenenbildung. Und: Der Politiker hat eine große Familie. Schon mit 16 Jahren ist er überraschend Vater geworden, fünf weitere Kinder folgten. Natürlich sei das damals nicht leicht gewesen, erzählt er. „Aber es hat mein Leben geprägt, denn ich habe früh gelernt, was es bedeutet, Verantwortung zu übernehmen.“ Sich zu engagieren statt sich wegzuducken – das möchte Dulig auch an seine Kinder weitergeben. Und natürlich spielt auch der Glaube eine wichtige Rolle im Familienleben. Alle waren oder sind in irgendeiner Form in der Kirchengemeinde aktiv, singen zum Beispiel im Chor oder spielen im Posaunenchor. Auch Dulig selbst unterstützt ab und an den Tenor im Kirchenchor, sofern es sein Terminkalender zulässt.

Familie und Spitzenpolitik unter einen Hut zu bringen, gesteht Martin Dulig, ist eine Herausforderung, der er sich quasi täglich stellen muss. „Mein Arbeitsalltag endet selten vor 22 Uhr“, erzählt er. Umso wichtiger sei es, zusätzliche Wochenendtermine zu vermeiden. „Auch bemühe ich mich, mir einmal im Monat einen Familiennachmittag freizuhalten. So kann ich auch ein wenig Alltag mit meiner Familie leben.“

Über dieses Thema wird der Minister auch beim Katholikentag in Leipzig sprechen. Gemeinsam mit seiner Frau sitzt er auf einem Podium, das sich mit der Vereinbarkeit von Beruf, Familie und gesellschaftlichem Engagement befasst. Er freut sich auf die Veranstaltung in Leipzig, Denn, so sagt er: „Kirche darf nicht unter sich bleiben. Sie muss hinausgehen und sich den Fragen der Menschen stellen.“ Er selbst hat schon viele Kirchen- und Katholikentage erlebt und sie als „spirituelle Tankstellen“ erfahren. Dabei waren es interessanterweise die ungeplanten Veranstaltungen und Begegnungen, die Dulig am meisten geprägt haben. Beim letzten Kirchentag etwa habe er aufs Geratewohl eine Bibelarbeit besucht, weil die, die er sich im Kalender notiert hatte, total überfüllt war. „Und das war die beste Bibelarbeit, die ich je erlebt habe.“ Ein andermal, beim Katholikentag in Dresden, traf er zufällig mit einem politischen Weggefährten aus einer anderen Partei zusammen. Ein schnelles Gläschen Wein hätten sie trinken wollen, schließlich war man politisch ziemlich weit entfernt voneinander. „Daraus ist dann ein zweistündiges Gespräch über Gott und die Welt geworden, das ich bis heute nicht vergessen habe“, erinnert sich Dulig, Vielleicht ergibt sich ja in Leipzig wieder so eine ungeplante spannende Begegnung?

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