Pater Christian Braunigger SJ, Studentenseelsorger in Leipzig

Auf den ersten Blick sieht er so gar nicht aus wie ein Ordensmann: In Kapuzenshirt und Jeans wirkt Jesuitenpater Christian Braunigger ziemlich locker. Seit September 2015 ist er der katholische Seelsorger für die Studenten der Universität und der Hochschule für Wirtschaft, Technik und Kunst (HWTK)  in Leipzig. Es kommen viele junge Leute aus Westdeutschland nach Leipzig, beobachtet der 35-Jährige: „Weil die Universität einen hervorragenden Ruf hat, die Lebensbedingungen gut und die Lebenshaltungskosten relativ niedrig sind“.

Leipzig – bekanntermaßen in der katholischen Diaspora – hat eine lebendige Studentengemeinde von etwa 250 bis 300 Studierenden. Die sonntägliche Eucharistiefeier ist immer gut besucht: Rund 110 Studenten finden sich zur gemeinsamen Messe in der katholischen Studentengemeinde  (KSG) ein. Viele von ihnen bleiben dann auch noch zum Mittagessen. Da sind dann nicht nur Katholiken dabei, sagt Christian Braunigger. Auch Nichtgetaufte kommen gerne mal mit einem katholischen Kommilitonen mit. Manche sind einfach neugierig, andere auf der Suche.

Natürlich ist der Studentenseelsorger nicht nur sonntags für seine Schützlinge da. Zwischendurch kommen immer wieder junge Männer und Frauen, die sich bei ihm private Probleme oder Schwierigkeiten im Studium von der Seele reden. Ein paar haben auch schon bei ihm gebeichtet. Manchmal komme er auch auf der Straße mit Leuten ins Gespräch: Sie seien zumindest offen, was das Thema Kirche angehe, erzählt Braunigger.  Die Arbeit mit den Studenten ist eine schöne Aufgabe, findet er – und so ganz anders als das, was er vorher gemacht hat.

Die Mehrgenerationen-WG

Denn eigentlich hat Christian Braunigger, Jahrgang 1980, erst in Karlsruhe Wirtschaftsingenieurswesen studiert. Und sich irgendwann gefragt: „Soll ich wie geplant meinen Beruf ergreifen und eine Familie gründen, oder gibt es einen anderen Weg für mich?“ Mit 26 schlug er dann diesen anderen Weg ein: Er trat in den Jesuitenorden ein. Es folgte ein Aufenthalt in Kenia: Dort arbeitete er für den Jesuitenflüchtlingsdienst in einem Flüchtlingslager. Danach kam das Theologiestudium in Paris – und nun die Studentenseelsorge in Leipzig. Den Ort zu wechseln, das falle ihm nicht schwer, so der 35-Jährige. Aber die vertraut gewordenen Menschen zu verlassen, das sei das Schwierige. Kontakt hält er mit Mitbrüdern, Freunden und der Familie via Skype und E-Mail.

 

In Leipzig wohnt er nun in einer Kommunität mit fünf Mitbrüdern zwischen Anfang 30 und Mitte 70. Quasi eine Mehrgenerationen-WG. Das funktioniert gut, findet Braunigger. Keine Diskussionen also darum, wer den Müll rausbringt? Nein, ein Alltag ohne Reibereien, lacht der junge Pater. Überhaupt wirkt er sehr zufrieden und gelassen. Dass er immer wieder gefragt wird, ob ihm denn nicht etwas fehle in seinem Leben – Frau und Kinder – stört ihn nicht: „Für mich ist das ein Zeichen des Interesses an meinem Leben. Und ein Zeichen dafür, dass sich die Menschen Gedanken über ihr eigenes Leben machen und sich fragen: Lebe ich selbst eigentlich so, wie ich das wirklich will?“. Wenn Freunde von ihm heiraten und eine Familie gründen, dann freue ihn das.  Auch wenn er gefragt wird, ob er für ein Neugeborenes die Patenschaft übernehmen könne. Das lehnt er dann aber ab: „Weil wir Jesuiten der Überzeugung sind, dass der Pate an der Erziehung der Kinder teilhaben soll. Und da ich ja jederzeit versetzt werden kann, wäre das nicht möglich.“

Noch nicht am Ziel

Für ihn gibt es keinen Zweifel, dass sein Weg der richtige ist. Seine Beziehung zu Gott sei ständig im Wandel, sagt er nachdenklich: „Wie die Liebe in einer Ehe, die verändert sich ja auch mit den Jahren.“ Im vergangenen Oktober empfing er die Priesterweihe. Vom Glauben in der Diaspora Zeugnis abzulegen und junge Menschen in ihrem Weg mit Gott zu bestärken – derzeit ist das genau das Richtige für Christian Braunigger. Dass nun der Katholikentag in Leipzig ansteht, findet er gut. Während des Events wird es ein Café der Begegnung und verschiedene Projekte in den Räumen der KSG geben. Der Studentenseelsorger selbst wird dabei fast durchgehend vor Ort sein  – auch, um mit Studenten aus anderen Städten ins Gespräch zu kommen.

Die letzte Station in seinem Leben sei Leipzig aber bestimmt nicht, meint Braunigger. Studentenseelsorger, den Job könne er vielleicht machen, bis er 45 sei. Aber dann ginge doch bestimmt irgendwie der Draht zu den deutlich Jüngeren verloren. Er kann sich vorstellen, wieder in einem Flüchtlingslager zu arbeiten, auch Exerzitienbegleitung oder eine andere Tätigkeit als Seelsorger. Dann müsste er natürlich wieder die Menschen verlassen, die er jetzt gerade in Leipzig kennenlernt.  Aber das gehört zu seinem Leben dazu. „Natürlich gibt es Herausforderungen, wie bei jedem Lebensweg, aber es ist mein Weg.“

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