Maria Theresia Opladen, Politikerin und kfd-Vorsitzende aus Bergisch Gladbach

Um als Frau in der katholischen Kirche gehört zu werden, braucht es vor allem eines: Beharrlichkeit. Davon ist Maria Theresia Opladen überzeugt. Seit acht Jahren leitet sie als Vorsitzende die Katholische Frauengemeinschaft Deutschlands (kfd) und wird nicht müde für die Anliegen der Frauen in der Kirche zu trommeln – auch auf dem Katholikentag in Leipzig.

Frau Opladen, gemeinsam mit dem Katholischen Deutschen Frauenbund (KDFB) gestaltet die kfd beim Katholikentag das Podium „Frauen.Macht.Kirche.“ Das hört sich kämpferisch an. Welche Botschaft soll von diesem Podium ausgehen?
Maria Theresia Opladen: Wir möchten mit diesem Podium noch einmal bekräftigen, dass es schon heute viele Ämter und Dienste gibt, die Frauen kirchenrechtlich offenstehen. Noch wichtiger aber ist, dass wir einmal mehr die Frage aufwerfen, ob bestimmte Dienste in der Kirche nicht so weiterentwickelt werden können, dass sie zukünftig auch von Frauen übernommen werden.

Sie denken da an das Weiheamt des Diakons?
Maria Theresia Opladen: In erster Linie ist damit in der Tat der Diakonat der Frau gemeint, den die kfd schon seit vielen Jahren fordert. Wir Frauen sind Realistinnen und wissen, dass wir in der Kirche nur weiterkommen, wenn wir nicht Dinge fordern, die einstweilen noch ganz und gar unmöglich sind.

Sie sagen es: Für den Diakonat der Frau kämpfen die katholischen Frauenverbände in Deutschland schon sehr lange – aber bislang vergeblich. Wie schafft man es, dennoch so beharrlich gegen die Männerbastion Kirche anzurennen?
Maria Theresia Opladen: Beharrlichkeit ist eine Eigenschaft, die für uns Frauen in der Kirche lebensnotwendig ist, sonst würden wir nie gehört. Überzeugungsarbeit, davon bin ich überzeugt, wird auch in unserer Männerkirche letztlich wirksam sein. Deshalb begehen wir alljährlich am 29. April den Tag der Diakonin, um so immer wieder auf dieses zentrale Anliegen hinzuweisen. Aber ich muss auch sagen: Manchmal wundere ich mich selbst, dass die Frauen in der Kirche die Motivation noch aufbringen, immer wieder gegen die Mauern anzurennen. Aber sie tun es aus Überzeugung und für ihre Kirche – sonst hätten sie längst schon aufgegeben.

„Beharrlichkeit ist eine Eigenschaft, die für uns Frauen in der Kirche lebensnotwendig ist, sonst würden wir nie gehört.“

Die Frauenverbände können sich derzeit über Rückenwind aus Rom freuen. Papst Franziskus hat seit seinem Amtsantritt immer wieder gefordert, dass die Kirche weiblicher werden muss. Aber bewegt sich wirklich etwas?
Maria Theresia Opladen: Es ist sicher gut, wenn sich unser Papst bei diesem Thema offen zeigt. Aber trotz dieser Papstworte bewegt sich die sogenannte Amtskirche noch sehr langsam. Wenn wir allerdings Kirche als Gemeinschaft der Getauften und Gefirmten verstehen, dann erlebe ich, dass sich durchaus etwas bewegt. Frauen übernehmen Verantwortung in den Gemeinden, und ihre Arbeit dort erfährt mehr und mehr Anerkennung.

Welche Rolle spielen Katholikentage für die Anliegen der kfd?
Maria Theresia Opladen: Das wichtigste für uns ist, dass wir uns auf dem Katholikentag darstellen und unsere Anliegen einer großen katholischen Öffentlichkeit nahebringen. Wir sind präsent mit einem großen Zelt, in das wir alle Besucher einladen, und organisieren eine Reihe von Veranstaltungen, in denen wir unsere Themen nach vorne bringen.
 
Und was nehmen Sie persönlich vom Besuch der Veranstaltung mit?
Maria Theresia Opladen: Die Frage ist gar nicht so leicht zu beantworten, denn vor meiner Tätigkeit als kfd-Vorsitzende habe ich nur ein einziges Mal einen Katholikentag besucht. Ich denke, Katholikentage bieten mir vor allem die Möglichkeit, mich meines Glaubens zu vergewissern. Ich führe Gespräche mit vielen interessanten Menschen, ich lasse mich emotional berühren in den verschiedenen Gottesdiensten und ich erlebe eine wunderbare Vielfalt von Menschen, die alle meinen Glauben teilen.

Der Katholikentag 2016 findet in Ostdeutschland statt. In den ostdeutschen Diözesen haben durchschnittlich mehr Frauen Leitungspositionen inne als in den westdeutschen Bistümern. Was kann die Kirche vom Osten lernen?
Maria Theresia Opladen: Für die ganze Kirche kann ich nicht antworten, dafür fehlen mir wichtige Einblicke. Aber ich kann für die kfd antworten. Die Mitglieder unseres Verbandes haben in Ostdeutschland mit unglaublich schwierigen Bedingungen zu kämpfen, weil Kirche dort in keiner Weise selbstverständlich ist. Sie sind wenige, sie nehmen weite Wege auf sich, sie legen ein ungeheures Engagement an den Tag. Kurzum: Sie leben ihren Glauben mit einer Überzeugungskraft, von der wir im Westen eine Menge lernen können.

Sie sind seit 2008 Bundesvorsitzende der kfd. Nach Ihrer Wahl haben Sie angekündigt, sich mit Ihrem Verband verstärkt in gesellschaftspolitische Debatten einbringen zu wollen. Wo konnten Sie Akzente setzen?
Maria Theresia Opladen: Akzente konnten wir viele setzen, auch wenn wir nicht immer erfolgreich waren. So haben wir uns etwa in die Debatte um die Beihilfe zum Suizid eingebracht oder – leider erfolglos – in die Diskussion um die Präimplantationsdiagnostik. Auf unsere Fahnen aber können wir den Durchbruch bei der Mütterrente schreiben. Dass die Politik dieses Thema endlich umgesetzt hat, geht nicht zuletzt auf unsere Unterschriftenaktion aus dem Jahr 2012 zurück. Mehr als 200.000 Unterschriften – daran konnte niemand vorbeigehen.

Was steht derzeit auf Ihrer Agenda?
Maria Theresia Opladen: Aktuell bereiten wir Initiativen zum Thema Dienstleistungen im Haushalt vor – Stichwort Schwarzarbeit –, wir machen Vorschläge, wie die Rentenanwartschaften pflegender Angehöriger verbessert werden können, und wir bleiben dran beim großen Thema Gleichstellung.

Was gibt Ihnen die Arbeit für die kfd?
Maria Theresia Opladen: Zunächst einmal möchte ich betonten, dass der kfd-Vorsitz ein Ehrenamt ist. Ich bin also Ehrenamtlerin, so wie der Großteil der Frauen, die sich für unseren Verband einsetzen. Und die Begegnung mit diesen Frauen, mit ihren Anliegen und Schicksalen und natürlich mit ihrem unermüdlichen Engagement beeindruckt mich immer wieder aufs Neue. Das ist für mich das wichtigste in der Arbeit für die kfd.

Sie waren viele Jahre lang auch in der Kommunal- und Landespolitik aktiv. Spielten Frauenanliegen auch da eine wichtige Rolle?
Maria Theresia Opladen: Natürlich haben sogenannte Frauenanliegen auch da eine große Rolle gespielt, etwa die Vereinbarkeit von Familie und Beruf oder die Anerkennung von Erziehungsleistungen. Aber sind das wirklich Frauenanliegen? Meines Erachtens sollte man eher von gesellschaftlichen Anliegen sprechen, weil diese Themen doch die Gesellschaft als Ganzes betreffen.

Das Thema Vereinbarkeit von Beruf und Familie kennen Sie auch aus eigener Erfahrung. Wie ist es Ihnen gelungen, Ihre Tätigkeit als Rechtsanwältin, Ihr Engagement in Kirche und Politik und Ihre Rolle als dreifache Mutter miteinander zu vereinbaren?
Maria Theresia Opladen: Wichtig ist hier an erster Stelle eine gute Partnerschaft. Ohne die Hilfe meines Mannes hätte ich das alles nicht bewältigt. Ich muss aber auch sagen, dass ich der Familie zuliebe auf eine große Anwaltskarriere verzichtet habe. Gleich nach meinem Assessorexamen habe ich eine Teilzeitstelle angeboten bekommen. Für die Familie war das optimal, aber Staranwältin wird man so nicht. Und nicht zuletzt konnte ich auf ein funktionierendes Familiennetzwerk zurückgreifen. Das war eminent wichtig, denn damals machten die Kindergärten um 12 Uhr Mittag zu.

„Die Anforderungen an junge Frauen sind heute viel größer als früher, auch die Anforderungen, die Frauen an sich selbst stellen.“

Das kann man sich heute kaum noch vorstellen. Haben es Frauen heute leichter als Sie es damals hatten?
Maria Theresia Opladen: Was die Betreuungsangebote angeht, haben es Frauen sicherlich leichter. Und es ist auch selbstverständlicher geworden, dass Frauen neben der Familie einem Beruf nachgehen. Anderseits: Die Anforderungen an junge Frauen sind heute viel größer als früher, auch die Anforderungen, die Frauen an sich selbst stellen. Viele meinen, alles unbedingt unter einen Hut bringen zu müssen. Oder sie bedauern später, dass sie Kinder bekommen haben, weil das der Karriere geschadet hat. Und das finde ich schon sehr schade.

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Foto: © kfd/Ruprecht Stempell

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