Lukas Jany, Dekanatsjugend Leipzig

„Projekt Geschichtsausstellung“: Was andere Jugendliche schon vom Titel her abgeschreckt hätte, weckte bei Lukas Jany sofort Interesse. „Ich arbeite ja schon seit Jahren in der Leipziger Dekanatsjugend mit. Da war es spannend, zu erfahren, wie sich das alles entwickelt hat.“ Das alles – damit meint Lukas die Geschichte der katholischen Jugend in Leipzig. Eine Ausstellung darüber auf den neuesten Stand zu bringen, ist eines der Katholikentagsprojekte, die sich die Dekanatsjugend vorgenommen hat. In weiteren AGs gestalten die Jugendlichen einen Podcast und entwerfen einen Insider-Stadtplan für jugendliche Besucher des Christentreffens. „Aber das ist eher etwas für die Jüngeren unter uns“, meint Lukas.

Er selbst ist 21 Jahre alt. Als Kind kam er mit seinen Eltern von Berlin in die Messestadt und ging hier zur Schule. „In meiner Klasse war ich der einzige Katholik“, erinnert sich Lukas. Im gesamten Jahrgang waren sie zu dritt – unter gut 70 Schülern. „Da kamen schon mal Fragen, warum ich denn an Gott glaube. Aber letztlich war das nicht wirklich ein Thema.“

In Leipzig fand die Familie schnell Anschluss an die katholische Gemeinde im Stadtteil Wahren. Lukas sang im Kinderchor, besuchte den Religionsunterricht und die religiösen Kinderwochen. Später wechselte er in die Jugendarbeit und engagierte sich schon bald auch auf Dekanatsebene. Sich mit Anderen Projekte auszudenken und Veranstaltungen zu planen und diese dann gemeinsam zu erleben, das hat ihm großen Spaß gemacht. Nicht zuletzt, weil ein großer Teil seines Freundeskreises ebenfalls in der Jugendarbeit aktiv war. Dennoch will Lukas das Engagement langsam auslaufen lassen. Als Student der Wirtschaftswissenschaften bleibt ihm nicht mehr genug Zeit dafür. „Da sollen jetzt die Jüngeren ran“, meint er.

Viel Archivarbeit

Zuvor aber engagiert sich Lukas Jany noch bei der Geschichtsausstellung. Das Team ist klein. Zu viert wollen sie eine bereits bestehende Ausstellung auf Vordermann bringen, mit neuen Fotos und Infos zu ergänzen. Zunächst haben sich die jungen Hobbyhistoriker in das Thema eingearbeitet, haben ihr Wissen über die einzelnen Epochen vertieft. Die Entscheidung, wo am meisten Ergänzungen nötig sind, fiel dann ziemlich schnell. „Die Zeit vor 1945 ist schon sehr gut dargestellt“, sagt Lukas, „aber danach wird es etwas dünn“.  Also hat er sich in Pfarrarchive und ins Stadtarchiv begeben, hat in der Unibibliothek Nachforschungen angestellt. Auch von Privatleuten erhofft sich das Team Unterstützung. „Doch es nicht einfach, Zeitzeugen zu finden.“

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Mädchen der Deutschen Jugendkraft (DJK) Leipzig-West (1932)

Dem Katholikentag sieht der Student durchaus mit gemischten Gefühlen entgegen. Er freut sich auf die Begegnung mit Jugendlichen aus anderen Teilen Deutschland. Aber ob sich die Leipziger für das Christentreffen erwärmen können? „Ich fürchte, die Akzeptanz in der Stadt wird nicht so groß sein.“ Vielleicht, meint Lukas, lassen sich evangelischen Christen ansprechen. „Aber so viele sind das ja auch nicht.“ Für ihn selbst ist der Glaube „ein guter Richtungsgeber, eine Richtschnur auch in moralischen Fragen“. Natürlich gab es schon Momente des Zweifels, gesteht Lukas, „aber ich habe doch immer wieder zum Glauben zurückgefunden“.

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Foto: © Pfarrarchiv Liebfrauen Leipzig-Lindenau (historische Aufnahme)

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