Dr. Harald Langenfeld, Vorstandsvorsitzender Sparkasse Leipzig

Ob er Zahlen mag? Dr. Harald Langenfeld zögert kurz. „Ja. Doch. Ich kann mir Zahlen gut merken“, sagt der Vorstandsvorsitzende der Sparkasse Leipzig und lächelt durch seine randlose Brille. Er ist Chef von knapp 1.700 Beschäftigten und leitet das wichtigste Kreditinstitut der Region. Jeden Tag verlassen sich rund 600.000 Privat- und Firmenkunden beim Thema Finanzen auf die Sparkasse Leipzig. „Dieses Vertrauen ist uns Verpflichtung. Seit 190 Jahren ist die Sparkasse hier zu Hause und genauso lange setzen wir uns schon für die positive Entwicklung unserer Region ein“, fasst Langenfeld das Selbstverständnis des Instituts zusammen.

Und dann erklärt er, was alles zum „genetischen Code“ der Sparkasse gehört, der öffentliche Auftrag, die Sorge ums Gemeinwohl. „Sparkasse ist einfach anders als andere Banken“, fasst er zusammen und nennt als ein Beispiel die Eigenanlagen des Kreditinstitutes. Er und seine Vorstandskollegen haben beschlossen: Wir wollen keine Papiere mit Lebensmittel-Spekulationen im Portfolio haben.  „Für uns sind solche Spekulationen ethisch nicht vertretbar und darum haben wir uns dagegen entschieden, auch wenn die Sparkasse damit Chancen auf zusätzliche Erträge aus diesem Bereich ungenutzt lässt“,  so Langenfeld. „Und das haben wir auch unseren Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern ganz klar gesagt. Denn ich glaube, es ist wichtig, dass die Beschäftigten wissen, dass und mit welchen ethischen Grundsätzen ein Vorstand arbeitet.“

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Als Vorstandsvorsitzender ist Langenfeld bei der Sparkasse zuständig für die Gesamtleitung des Hauses und für die Bereiche Vorstandsstab/Recht, Personal, Compliance, Revision, Unternehmenskommunikation, Stiftungen der Sparkasse und Fördermanagement. Mit knapp fünf Millionen Euro unterstützte die Sparkasse Leipzig allein im vergangenen Jahr rund 900 Projekte im Bereich Sport, Kultur, Soziales und Bildung sowie Wissenschaft, Wirtschaftsförderung und Umwelt. „Überall in unserer Stadt und Region profitieren gemeinnützige Vereine, Einrichtungen und Institutionen von unserer Gemeinwohlorientierung. Wir unterstützen große Projekte genauso engagiert wie die vielen kleinen Initiativen. Unser Förderengagement ist in gewisser Weise eine indirekte Dividende an die Menschen der Region“, sagt Langenfeld.

Der gesellschaftliche Auftrag  prägt die Unternehmenskultur der Bank. Zwar ist eine Sparkasse nicht dem Shareholder-Value-Gedanken eines börsennotierten Unternehmens verpflichtet, aber die Erträge, die sie als Förderung ausreicht, müssen erwirtschaftet werden. Nur durch gemeinsame, engagierte Arbeit kann das erreicht werden. „Ich bin auch dafür verantwortlich, dass die Sparkasse ein guter Arbeitgeber ist“,  sagt Harald Langenfeld. Mitarbeiterorientierung ist ihm dabei besonders wichtig. Regelmäßig besucht er die Geschäftsstellen.

So wie auch an diesem Tag eine Filiale im Südwesten von Leipzig. Die Filialleiterin öffnet ihm lächelnd und erkennbar aufgeregt: „Ist ja schon was besonderes, wenn der große Chef kommt.“ Langenfeld lässt sich die Geschäftsräume zeigen, dann geht’s hinauf in den ersten Stock, wo bereits die Mitarbeiter in einer kleinen, offenen Küche am Tisch auf ihn warten.  „Und nun sagen Sie mir, was Sie bewegt, was Sie wissen wollen, was Sie ärgert – denn wissen Sie: Es ist für mich wichtig, von Ihnen in den Filialen direkt vor Ort zu erfahren, wie die Dinge laufen und wo es hakt – nur dann bekomme ich doch mit, wie es wirklich an der Basis läuft.“ Das Eis ist gebrochen. Die Mitarbeiter reden frank und frei über den Alltag in ihrer Filiale, hinterfragen Beschlüsse in der Sparkasse. Schließlich fragt eine erfahrene Bankangestellte: „Ist es eigentlich manchmal einsam, da oben an der Spitze?“ Langenfeld lächelt und versichert ihr, dass genau solche Gespräche wie jetzt ganz gut vor einsamen Entscheidungen schützen. Auf die Frage nach dem angekündigten Stellenabbau erklärt er, bislang habe die Sparkasse immer auf betriebsbedingte Kündigungen verzichten können. Und das solle auch weiter so bleiben.

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Kraft und Antrieb schöpft er aus dem Wunsch, dass sich jeder Mensch nach seinen Möglichkeiten für das Wohl der Gemeinschaft und das Gemeinwesen einsetzen sollte. Bei Langenfeld gehört dazu eine lange Liste von ehrenamtlichen, abendfüllenden Tätigkeiten. Eine davon ist sein Amt als Vorsitzender des sogenannten Rechtsträgers des Katholikentags in Leipzig, eine Art Aufsichtsrat quasi.  In dieser Funktion gehört er auch zur Katholikentags-Leitung. Für Langenfeld, aktives Mitglied in der Leipziger Propsteigemeinde, trotz aller Arbeit eine besondere Aufgabe: „Ich finde Katholikentage etwas Großartiges, gemeinsam über den Glauben zu reflektieren und gemeinsam zu feiern. Hier lasse ich mich gern in die Pflicht nehmen.“

In Leipzig komme nun als besondere Herausforderung die Diaspora-Situation hinzu. Nur vier Prozent der knapp 570.000 Einwohner sind katholisch, 80 Prozent konfessionslos. „Da ist natürlich der Diskurs zwischen Glaubenden und Nicht-Glaubenden eine wichtige Sache“, sagt Langenfeld. „Und natürlich reden wir auf dem Katholikentag auch über gesellschaftliche Fragen, die gleichzeitig grundlegende Fragen des Menschen sind und auch für Nicht-Gläubige eine Relevanz haben.“ Anfang und Ende des Lebens etwa, soziale Fragen, Flüchtlinge.

„Es geht darum, wie wir unserer Verantwortung gerecht werden können, und ich glaube, dass wir als Katholiken aus unserem Glauben heraus Antworten geben können“, sagt Langenfeld. Das heiße natürlich nicht, dass jemand der nicht glaubt, nicht auch hohe ethische Grundsätze haben kann, aus denen heraus er verantwortungsvoll handelt. „Das steht ja außer Frage.“

Aber es sei eben auch wichtig, dass sich die Gesellschaft immer wieder vergewissert, was glaubende Katholiken für sie bedeuten und wie sie aktiv an den gesellschaftlichen Diskursen mitwirken. Mit Blick auf den kommenden Katholikentag ist sich Langenfeld auf jeden Fall sicher: „Das wird ein wunderbares Fest.“ Natürlich auch mit nachdenklichen Aspekten und kritischen Diskussionen. „Und es ist eben auch eine Chance, den Menschen hier in der Region zu zeigen: Was bedeutet eigentlich Kirche, Glauben, warum engagieren sich Leute da.“

Text und Bilder sind lizenziert nach der Creative Commons Attribution CC BY-ND 4.0.

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