Prof. Dr. Claus Hipp, Unternehmer aus Ilmmünster in Oberbayern

Zu einem Katholikentag hat es Claus Hipp noch nicht geschafft. „Zu beschäftigt“, lautet die Erklärung des 77-Jährigen, der es genießt, noch immer gebraucht zu werden. Christliche Werte haben sein unternehmerisches Handeln von Anfang an geprägt. Und davon rückt Hipp nicht ab, auch wenn die Welt ringsum immer säkularer wird.

Herr Prof. Hipp, in seinen beiden Enzykliken hat Papst Franziskus harsche Kritik an der bestehenden Wirtschaftsordnung geübt. Was war Ihre erste Reaktion als Unternehmer?
Claus Hipp: Konstruktive Kritik bringt uns weiter. In vielen Punkten ist sie berechtigt. Eine Gesellschaft ist daran zu messen, wie sie mit Armut und Schwäche umgeht. Verständlicherweise hat Papst Franziskus kontroverse Reaktionen durch seine Kritik der Wirtschaftsordnung hervorgerufen. Manchmal müssen Argumente plakativer, manchmal differenzierter gewählt werden, um eine Diskussion voranzubringen. Man muss die Schriften schon genauer lesen und sollte sich nicht im Sinne einer selektiven Wahrnehmung nur das herauspicken, was der eigenen Meinung ohnehin entspricht. Vom Unternehmer wird gesagt, er gehe einer „edlen Arbeit“ nach. Er mehre die Güter und mache sie auf diese Weise für alle zugänglich. Der Papst sagt, dass Wirtschaftswachstum eine Voraussetzung ist für ein Wachstum der Gerechtigkeit.

Das Familienunternehmen HIPP beruft sich in seiner Firmenbroschüre ausdrücklich auf christliche Werte. Statt Umweltschutz und Nachhaltigkeit ist von Bewahrung der Schöpfung die Rede. Wie kommt das an in einer immer säkularer werdenden Welt an?
Claus Hipp: Unser Familienunternehmen steht von Anfang an in der christlichen Tradition. Wie das „ankommt“, spielt zunächst einmal gar keine Rolle. Denn das ist nicht die Motivation, warum wir unser unternehmerisches Handeln nach ihr ausrichten. Dass eine große Mehrheit das gut findet, freut uns natürlich. An den unterschiedlichen Begrifflichkeiten sollte man sich nicht reiben. Sie drücken letztlich doch das Gleiche aus. „Nachhaltigkeit“ und „Umweltschutz“ sind gelebte Bewahrung der Schöpfung. In unserem aktuellen Nachhaltigkeitsbericht kommt der Begriff ziemlich oft vor.

In einem Interview haben Sie einmal gesagt: „Sie können ein Unternehmen durchaus nach den Zehn Geboten führen“. Wie geht das – ganz praktisch?
Claus Hipp: Die Zehn Gebote sind der Kompass im Umgang mit Mitarbeitern und mit Vertragspartnern. Wenn einer zum Beispiel wiederholt unehrlich ist, etwa seinen Kollegen und seinem Vorgesetzen gegenüber, dann muss man Konsequenzen ziehen. Auch, wenn das nicht immer angenehm ist. Wenn einer stiehlt, dann können wir das nicht akzeptieren. Gleichzeitig müssen wir selbst nach den Zehn Geboten handeln und gerecht sein im täglichen Umgang. Entscheidungen fallen leichter, wenn man sich an diese ganz praktischen Regeln halten kann.

Nun müssen Unternehmer auch mal unpopuläre Entscheidungen treffen. Hat der Katholik Claus Hipp da schon mal Bauchschmerzen?
Claus Hipp: Entscheidungen treffe ich stets nach Abwägung mehrerer Möglichkeiten. Diese ernsthafte Prüfung der verschiedenen Überlegungen schließt willkürliche Entscheidungen aus.

Als engagierter katholischer Unternehmer wären Sie doch eine Idealbesetzung für so manches Katholikentagspodium. Dennoch sind Sie anscheinend noch nie bei einem Katholikentag aufgetreten. Haben Sie eine Erklärung?
Claus Hipp: Um sechs Uhr in der Früh geht mein Arbeitstag los. Nachdem ich in meiner Funktion als Mesner die Wallfahrtskirche Herrnrast aufgesperrt habe, geht es weiter in die Firma, dann ins georgische Konsulat, und danach stehen sehr oft auch noch Abendtermine und Verpflichtungen an. Zeit für meine Frau, meine fünf Kinder und mittlerweile zwölf Enkel möchte ich natürlich auch haben. Im Münchner Behördenorchester spiele ich Oboe und bin künstlerisch als Maler nach wie vor aktiv. Der Katholikentag ist eine wunderbare Zusammenkunft von gläubigen Katholiken aus aller Welt. Auch wenn es mir bis jetzt nicht gelungen ist, selbst daran teilzunehmen, so ist dieses Zeichen an Gemeinschaft als Glaubensbekenntnis einmalig. Unter dem positiven und barmherzigen Geist von Papst Franziskus wird der 100. Katholikentag ganz bestimmt ein spirituell und geistig anregendes Großereignis werden.

Wie präsent ist Ihr Glaube im Alltag?
Claus Hipp: Sehr präsent. Er begleitet mich immer – bei allem, was ich denke und tue.

Konnten Sie Ihren Glauben an Ihre Kinder weitergeben?
Claus Hipp: Meine Kinder sind natürlich von Geburt an mit dem katholischen Glauben aufgewachsen. Dennoch ist es uns als Eltern wichtig gewesen, dass sie ihren eigenen Weg gehen dürfen. Glauben und Religion sind letztlich eine sehr persönliche Sache. Als Vater freut und beruhigt es mich, dass meine Kinder in dieser Hinsicht einen ganz ähnlichen Weg gehen und aus dem Glauben heraus leben.

In Ihrem Alter genießen die meisten Menschen den wohlverdienten Ruhestand. Sie sind noch immer aktiv. Was treibt Sie an, was motiviert sie?
Claus Hipp: Genießen kann man doch auch, dass man noch gebraucht wird. Solange das so ist, mache ich weiter. Meine Kinder sind ehrlich genug, mir zu sagen, wenn das einmal nicht mehr der Fall sein sollte.

Sie haben es schon angesprochen: Sie sind nicht nur erfolgreicher Unternehmer, sondern auch aktiver Künstler: Sie malen und spielen Oboe. Was bedeuten Ihnen Kunst und Musik?
Claus Hipp: Beide sind essentielle Bestandteile meines Lebens. Es ist gut, dass neben dem Jurastudium und der Unternehmertätigkeit immer Platz in meinem Leben dafür war. Zu Malen ist ein inneres Bedürfnis. Die Tätigkeit an sich ist ein sehr guter Ausgleich. Sie ist erbaulich, und während man sie ausübt, kommen oft die besten Ideen. Genauso wichtig, wie das Malen selbst, ist mir die Wissensvermittlung an meine Studenten in Deutschland und Georgien. Es ist eine wunderbare Sache, zu sehen, wie jede und jeder Einzelne seinen Weg in der Kunst findet.

Der Text ist lizenziert nach der Creative Commons Attribution CC BY-ND 4.0.
Foto: HiPP (vor Verwendung bitte anfragen)

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