Tina Pauska aus Leipzig

Ob Tina Pauska zum Katholikentag kommt, weiß sie noch nicht. Zwar findet er quasi vor ihrer Haustür statt. „Aber vielleicht bin ich in diesen Tagen nicht in Leipzig.“ Aber wenn doch, dann wird sie sicher hingehen. Anderen Menschen begegnen, Kontakte knüpfen, das schätzt die aufgeschlossene 20-Jährige, „Es heißt ja immer: Der Glaube verbindet. Wo könnte man das besser erleben als auf einem Katholikentag?“

Sich selbst bezeichnet Tina als Suchende. Zwar ist sie evangelisch getauft und auch konfirmiert. „Aber so richtig habe ich den Bezug zur evangelischen Kirche nie gefunden.“ In ihrer Schulzeit hatte Tina dann auch Kontakt zur katholischen Kirche. Sie besuchte in Leipzig zunächst die Realschule, dann das Gymnasium im bischöflichen Maria-Montessori-Schulzentrum. Aus religiösen Gründen allerdings hat sie die Entscheidung nicht getroffen. „Den Ausschlag gab, dass eine sehr gute Freundin dort auf die Schule ging“, gesteht die junge Frau.

Glaube und Religion, erinnert sich Tina, waren an ihrer Schule allgegenwärtig. In jedem Klassenraum hing ein Kreuz, und der gemeinsame Gottesdienstbesuch vor Ostern gehörte ganz selbstverständlich zum Programm. Indoktriniert aber wurde niemand. „Das wäre auch schwierig geworden, denn viele meiner Klassenkameraden waren nicht getauft.“ Auch zur Montessoripädagogik hätte es nicht gepasst, die schließlich die Selbstständigkeit von Kindern und Jugendlichen fördern möchte. Und das wurde durchaus ernst genommen: „Als ich in der Pubertät meine schwarze Phase hatte und mich wie ein Gothic kleidete, wurde das von den Lehrern toleriert“, erzählt Tina Pauska lachend.

pauska_kleinDass die junge Frau ihre Schulzeit rückblickend dennoch mit gemischten Gefühlen betrachtet, liegt nicht an der gewählten Schule. Vielmehr war es ihre Entscheidung, nach dem Realschulabschluss noch aufs Gymnasium zu wechseln, die ihr im Nachhinein Bauchschmerzen bereitete. Und zwar durchaus in einem wörtlichen Sinn. „Zuerst ging es mir psychisch schlecht und dann auch noch körperlich“, erinnert sich die Leipzigern. Da aber zog sie die Notbremse. „Mir wurde klar, dass ich nicht auf der Welt bin, um Abitur zu machen.“ Sie verließ die Schule nach der 11. Klasse und ging ein Jahr lang als Au Pair nach Irland. Aus einem weiteren Auslandsaufenthalt – diesmal sollte es nach Australien gehen – wurde nichts. „Und so habe ich die vergangenen Monate zur weiteren Selbstfindung genutzt“, sagt Tina mit einem kleinen Augenzwinkern.

Mit Erfolg: Im Herbst wird sie eine Ausbildung als Physiotherapeutin beginnen. „Der menschliche Organismus interessiert mich schon lange“, begründet Tina ihre Berufswahl. Besonders fasziniert sie der Zusammenhang zwischen Körper, Geist und Seele. In ihrer Facharbeit hat sie sich ausführlich mit Hildegard von Bingen beschäftigt. Aber auch die fernöstliche Spiritualität mit ihrer Lehre von der Energie fasziniert sie. „Ich sehe da durchaus Verbindungen zum Christentum“, sagt die junge Frau mit Überzeugung. Schon als Kind habe man ihr erklärt „dass in jedem Menschen auf der Welt ein kleines Stückchen Gott steckt“. Das fand sie befremdlich. „Dass Gott dann auch noch in den Tieren und Pflanzen und sogar Gegenständen sein sollte, hat meinen Kopf gesprengt“, gesteht sie. Wie das alles zusammenhängt, hat sie erst mit einem Umweg über den Physikunterricht verstanden. „Heute weiß ich: Gott ist die Quelle der Energie.“

Dass der Katholikentag nach Leipzig kommt, findet Tina Pauska gut. Viele junge Leute seien, so wie sie selbst, spirituell auf der Suche, auch wenn sie mit Kirche ganz konkret nichts am Hut haben. „Aber wer weiß, vielleicht finden sich ja auf dem Katholikentag Angebote, die Suchende ansprechen und ihnen einen Weg zeigen?“

Text und Bilder sind lizenziert nach der Creative Commons Attribution CC BY-ND 4.0.

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