Torsten Ulbricht, Vater eines Kindes, das einen katholischen Kindergarten besucht

Engelsdorf ist eine katholische Hochburg – jedenfalls für Leipziger Verhältnisse. Gut sechs Prozent der etwa 10.000 Einwohner dieses erst 1999 eingemeindeten Stadtteils gehören der katholischen Kirche an, anderthalb mal mehr als im städtischen Durchschnitt. Eine Kirchengemeinde lockt mit attraktiven Angeboten, und auch die Caritas ist aktiv in Engelsdorf, betreibt dort ein Seniorenheim und eine Kindertagesstätte. Torsten Ulbricht ist irgendwie hineingerutscht in das katholische Leben vor Ort. Der ausgebildete Nachrichtentechniker ist nicht getauft. Aber seit seine Kinder die Kita St. Gertrud besuchen, gehört die Familie quasi zum erweiterten Gemeindekreis.

Drei Ulbricht-Kinder haben den katholischen Kindergarten schon durchlaufen, als letzter ist jetzt noch der kleine Timo (rechts im Bild) an der Reihe. Zunächst, erzählt der Vater, war das alles eher ein Zufall. Als die Familie Anfang 2000 aus der Innenstadt nach Engelsdorf zog, entstand dort gerade der Neubau für den katholischen Kindergarten. An einem Schnuppertag kam Torsten Ulbricht mit dessen Leiterin ins Gespräch. Und weil er kurz zuvor eine Israel-Reise gemacht hatte, war er irgendwie empfänglich für religiöse Themen. „So haben wir uns entschieden, unsere Älteste zu den Katholen zu schicken“, sagt er schmunzelnd.

Die Kleine fühlte sich wohl in der Caritas-Kita – und auch die Eltern hatten ein gutes Gefühl. „Der Glaube zieht sich wie ein roter Faden durchs Jahr. Das gibt den Kindern Halt und Stabilität“, beschreibt es Torsten Ulbricht. Er schwärmt auch vom menschlichen Miteinander, das in diesem Kindergarten gepflegt wird. „Die Kinder lernen hier von klein auf, dass sie nicht alleine stehen, dass es nicht gut ist, in der Welt egoistisch unterwegs zu sein“, erzählt der 43-Jährige. Seine Älteste hat das so sehr verinnerlicht, dass sie nun ganz dazugehören will: Sie bereitet sich derzeit auf die Taufe vor.

Wichtige Wertevermittlung

Anfangs, gesteht der Leipziger, gab es schon mal irritierte Anfragen aus Familie und Freundeskreis. Warum die Ulbrichts ihre Kinder ausgerechnet in eine kirchliche Kita schicken? Aber das ist lange her. „Wir haben das immer positiv vertreten, irgendwann hat keiner mehr etwas gesagt.“ Ob er je Angst hatte, dass Erzieherinnen oder der Pfarrer seine Kinder missionieren könnten? „Nie“, betont Ulbricht, „denn die Glaubensvermittlung erfolgt hier immer mit Samthandschuhen.“ Im Gegenteil: Manchmal fürchtet der Vater schon, dass das Profil der Kita verflachen könnte. Schließlich wird es immer schwieriger, Erzieherinnen zu finden, die selbst im Glauben verwurzelt sind. „Wenn diese Werthaltung verloren ginge, wäre das wirklich schade.“

So aufgeschlossen, wie Torsten Ulbricht in Sachen religiöser Kita-Erziehung ist, so offen sieht er auch dem Katholikentag entgegen. Eine „große, bunte Veranstaltung“ erwartet er sich. Weil er am Hauptbahnhof in einem Call-Center arbeitet, wird er wohl eine Menge davon mitbekommen. „Ich bin schon gespannt, was da transportiert wird.“ Gespannt ist Ulbricht auch, wieviel vom Katholikentag bei ihnen draußen in Engelsdorf ankommen wird. Ein wenig fürchtet er nämlich, dass sich das alles nur auf die Innenstadt beschränkt. Und das meint er, hätte die Gemeinde in Engelsdorf bestimmt nicht verdient.

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1 Kommentar

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  1. Maria Holzgräbe

    Als ehemalige Leiterin der Kita St. Gertrud freue ich mich sehr, dass das religiöse Profil gut wahrgenommen wird. Ich wünsche Familie Ulbricht, allen Kindern und Eltern und Mitarbeiterinnen derKita weiterhin so positive Erfahrungen.