Rita Kotzur, Katholikentagsbotschafterin aus Leipzig

Fragt man Rita Kotzur nach ihren Erwartungen an den Katholikentag, bekommt man eine unerwartete Antwort. „Ich lasse das einfach auf mich zukommen. Gott hat viel mit dem Katholikentag zu tun. Und wo Gott die Sachen mitmacht, da kommt immer etwas Größeres heraus.“ Bei jedem anderen Menschen würde so ein Satz pathetisch klingen, nicht aber bei Rita Kotzur. Vor 45 Jahren hat sich die heute 63-Jährige entschieden, ihr Leben allein Gott zu weihen. Ihre Berufung lebt sie in der Fokolar-Bewegung, einer 1943 von Chiara Lubich gegründeten geistlichen Gemeinschaft. Und weil Kotzur keine halben Sachen macht, hat sie sich jenem Zweig der Bewegung angeschlossen, der in einer ordensähnlichen Kommunität lebt und die klassischen Gelübde Armut, Gehorsam und Keuschheit ablegt. Bereut hat sie es nie:

„Die Menschen denken immer, dass man durch diese Gelübde auf etwas verzichtet. Aber so ist das nicht. Man wird im Gegenteil reich beschenkt.“

Auf die Fokolarbewegung ist Rita Kotzur durch Zufall gestoßen. Als Jugendliche war sie Gruppenleiterin in ihrer Westberliner Kirchengemeinde. Bei einem Sommerlager lernte sie zwei junge Frauen aus dem „Gen“ kennen, der Jugendorganisation der Fokolare. Wie sie ihren Glauben lebten und andere damit ansteckten, das hat die damals 17-Jährige schwer beeindruckt. Ein erster Kontakt war geknüpft. Ein wenig später begegnete Kotzur auf einem Jugendtreffen der Fokolare Bruna Tomasi, einer Gefährtin von Chiara Lubich – und das sollte ihr Leben verändern. „Sie wirkte auf mich wie ein Spiegel Gottes. Mit einem Mal war mir klar: So wie sie, möchte ich auch leben.“

Rita Kotzur ist viel herumgekommen. Denn wenn man sich ganz in den Dienst der Fokolare stellt, dann wird man hingeschickt, wo man gebraucht wird. Ihren Job als Mathematik- und Musiklehrerin musste sie deshalb an den Nagel hängen. Doch auch das hat sie nicht bereut. Sie war in Berlin und Hannover, in Dänemark und Italien und ein paar Jahre auch in Kenia. Nach 20 Jahren im Ausland dann bat sie um eine Versetzung nach Deutschland. „Ich hatte das Gefühl, dass ich langsam meine Muttersprache verliere.“

Aufgeschlossen gegenüber Glaubensfragen

In Leipzig fand Kotzur vor sieben Jahren eine neue Heimat und fühlt sich „rundum wohl hier“. Die Atmosphäre in der Stadt sei großartig. „Und die Menschen sind sehr offen hier.“ Obwohl eine Mehrheit keiner Konfession angehört, seien viele doch aufgeschlossen für Fragen des Glaubens. Deshalb findet sie es auch eine gute Idee, dass der Katholikentag dieses Jahr in Leipzig stattfindet und macht fleißig Werbung für das Christentreffen. Ihre Physiotherapeutin etwa hat sie überzeugt, Übernachtungsgäste aufzunehmen. „Und die bezeichnet sich selbst als Heidin.“

Und: Rita Kotzur ist als Katholikentagsbotschafterin unterwegs. Unter diesem Schlagwort wurden die Leipziger Katholiken aufgefordert, Werbung für das Großereignis zu machen, wenn sie mal privat oder beruflich in anderen Teilen Deutschlands unterwegs sind. Flyer und einen kleinen Präsentationstext hat das Diözesanbüro hierfür zur Verfügung gestellt. Kotzur hat kürzlich eine Freundin in Buchholz bei Hamburg besucht und in der dortigen Gemeinde nach zwei Messen kräftig für den Katholikentag getrommelt. „Das hat mir sehr viel Freude gemacht.“ Beim anschließenden Kirchencafé sei sie mit vielen netten Menschen ins Gespräch gekommen. „Ein paar wollten sich gleich am nächsten Tag eine Dauerkarte besorgen.“

Wenn Kotzur über Ostern nach Berlin fährt, dann wird sie noch einmal für den Katholikentag werben. „Je mehr Leute nach Leipzig kommen, umso größer ist die Chance hier etwas zu bewegen“, begründet Kotzur ihr Engagement. Und fügt schmunzelnd hinzu: „Dafür sind wir Fokolare ja da, dass wir auf die Leute zugehen und mit ihnen sprechen. Mir jedenfalls macht das großen Spaß.“

Text und Bild sind lizenziert nach der Creative Commons Attribution CC BY-ND 4.0.

1 Kommentar

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  1. Polak,

    gefällt mir! Simone P.