Christina und Joachim Gold aus Würzburg

Die Geschichte von Christina und Joachim Gold ist eine Liebesgeschichte. Sie beginnt 1998 auf dem Katholikentag in Mainz. Wenn sich die Beiden heute an ihre erste Begegnung erinnern, klingt das allerdings nicht romantisch. Für Christina ist es ihre erste Dienstreise für ihren neuen Arbeitgeber, die Malteser. Als Pressesprecherin will sie sich ein Bild vom Einsatz ihrer Kollegen machen. Joachim ist ehrenamtlich zuständig für die technische Kommunikation. Katastrophenschutz und Gefahrenabwehr sind seine Spezialität, insbesondere bei Großveranstaltungen.

„Als ich Tina das erste Mal sah, dachte ich: Muss das sein? Wir müssen dauernd rechnen, ob wir uns noch ein neues Funkgerät leisten können – und die Pressetante kommt im Dienstwagen vorgefahren, um mal zu schauen, was wir so machen.“ Joachims Empörung über diese Geldverschwendung ist auch 18 Jahre später noch deutlich zu hören. Doch dann merkt er, dass diese Begegnung eine Chance sein könnte. „Ich dachte, wenn sie versteht, was wir hier wirklich tun und wie es funktioniert, dann vermittelt sie das ja auch der Öffentlichkeit. Das würde uns nutzen.“

Der Plan geht auf. Christina ist beeindruckt. „Er hat so eine Kompetenz ausgestrahlt. Er wirkte wie ein Mann, der weiß, wovon er spricht. Seine Welt war der Katastrophenschutz; und dorthin hat er mich geführt.“ Sie findet ihn von Anfang an interessant. Joachim ist im Einsatz; er denkt nicht an Liebe, nicht einmal an Sympathie. Noch nicht.

Der erste Kuss

Das Jahr, das darauf folgt, ist geprägt vom Kosovo-Krieg. Er engagiert sich in einem albanischen Flüchtlingscamp, fliegt an die Grenze zum Kosovo. Sie begegnen sich jetzt öfter, gehen auch mal zusammen zum Mittagessen. Christina hofft auf ein abendliches Date zu zweit. Als sie sich schließlich in einer Kneipe treffen, schneien zufällig auch noch Kollegen von Joachim herein. Tina ist genervt. Es wird wieder nichts mit der Romantik. Allerdings duzen sich die beiden jetzt endlich, über ein Jahr nach ihrem ersten Aufeinandertreffen. Für Joachim ist Christina jetzt nicht mehr die Pressetante, sondern eine Frau. Er sieht sie mit anderen Augen. Er ist verliebt.
Und dann küssen sie sich. Aus dem anfänglichen Knirschen ist ein Knistern geworden.
Sie werden ein Paar, heiraten und bekommen vier Töchter.

Das Ehepaar Gold beim gemeinsamen Sanitätsdienst im Heiligen Jahr 2000

Das Ehepaar Gold beim gemeinsamen Sanitätsdienst im Heiligen Jahr 2000

Die Katholikentage begleiten die Golds. Joachim hat seit 1992 keinen ausgelassen; als Malteser-Mann wird er dort gebraucht. Das war nicht immer einfach. Kurz nach der Geburt des dritten Kindes muss er zum Katholikentag nach Saarbrücken. Christina bleibt mit den kleinen Kindern zurück. Oder 2002, als das erste Mädchen gerade zur Welt gekommen war, fährt der Vater nach Dresden, wo die Menschen mit dem Jahrhunderthochwasser kämpfen. Er baut dort ein Hilfskrankenhaus auf. Erst zwei Tage vor der Taufe kommt er zurück. Immer wieder ist er für mehrere Tage unterwegs. Für seine Frau ist das völlig in Ordnung: „Ich habe ihn als Mensch im Einsatz kennengelernt.“ Joachim liebt seine Familie und findet es wichtig, Zeit mit ihr zu verbringen. Deshalb hat er seine Arbeitszeit reduziert, kümmert sich um die Töchter und unterstützt seine Frau, die auch gerne arbeiten geht. Die Beiden sind ein Team. Ihre Verliebtheit ist im Laufe der Jahre geblieben. Wenn sie von ihrem Leben erzählen, spürt man, wie nah sie sich sind. Sie kichern und schwärmen wie Teenager, die gestern das erste Mal zusammen im Kino waren. Dann wieder ist da dieser Respekt, die Bewunderung für den Partner, für seine Aufgaben, seine Leistung.

Die bunte Mischung macht’s

Seitdem die Kinder größer sind, fahren sie alle zusammen zu den Katholikentagen. Auch in Leipzig wird Joachim wieder sehr beschäftigt sein, aber zwischendurch hat er Zeit für Tina und die Kinder. Den Eltern ist es wichtig, dass ihr Nachwuchs merkt, wie gut es tut, mit anderen Glaubenden zusammen zu sein. Vor zwei Jahren in Regensburg hatten die Kinder großen Spaß daran, sich mit den Ordensleuten zu unterhalten, die sich auf dem „Markt der Möglichkeiten“ vorgestellt haben. „Es war erstaunlich, wie offen diese Klostermenschen auf die Kinder zugegangen sind. Und umgekehrt genauso“, sagt Joachim. Und Tina ergänzt: „Sie haben gemerkt, dass es normal ist, über den Glauben zu reden, dass man dafür kein Nerd sein muss.“
Für „Die Nacht der Lichter“ setzt sich das Paar ab, genießt die intensive Stimmung des Taizé-Gebets, die Gesänge. Sie sind zu zweit, schaffen sich Platz für romantische Momente. Vielleicht ist das das Geheimnis ihrer Beziehung.

gold_03In Leipzig werden die sechs Golds in einer Gemeinschaftsunterkunft übernachten, in einem Klassenzimmer mit 10 bis 20 anderen Menschen auf Luftmatratzen oder Feldbetten. „Für die Kinder ist das ein Riesenspaß“, erzählt Christina belustigt. „Natürlich müssen alle ihre Ansprüche runterschrauben“, sagt Joachim. „Aber während des Katholikentags sind sowieso alle auf Wolke sieben.“ Was er meint, ist die einmalige, besondere Stimmung, die schwer zu fassen ist. Nur wer dort gewesen ist, kann ihn verstehen.

„Wir sind nicht die Super-Katholiken“, sagt Christina, „wir sind engagiert, aber nicht übermäßig fromm. Das Schöne am Katholikentag ist aber, dass hierher die Menschen so kommen, wie sie eben sind. Gerade diese bunte Mischung macht es ja so wunderbar.“

Die Liebesgeschichte von Christina und Joachim Gold begann vor 18 Jahren auf einem Katholikentag. Kein Wunder, dass sie immer wieder gern dorthin kommen.

Text und Bilder sind lizenziert nach der Creative Commons Attribution CC BY-ND 4.0.

2 Kommentare

Kommentare geschlossen.
  1. Gold FJ und Ute

    Ihr und Eure Kinder seid schon eine besondere katholische Spezies, die heute selten zu finden ist. Wir freuen uns mit Euch! Eure Eltern und Großeltern

  2. Christoph W.

    einfach nur schön….! *g*