Sabine Wilke, Teilnehmerin aus Leipzig mit psychischer Beeinträchtigung

Ein wenig verdutzt ist man schon, wenn man zum ersten Mal Sabine Wilkes Wohnzimmer betritt. Dutzende Puppen sitzen da adrett drapiert auf dem großen Sofa und blicken den Besucher aus großen Kulleraugen neugierig an. „Ich hätte sehr gern Kinder gehabt“, erzählt die Mittfünfzigerin freimütig, „doch dazu ist es leider nicht gekommen.“ So hat sie begonnen, Puppen zu sammeln. „Das hat auch seine Vorteile“, meint sie schmunzelnd. „Die schreien ja nicht.“

Wilke hat es im Leben nicht immer leicht gehabt. So manchen Schicksalsschlag musste sie verkraften. Seit vielen Jahren ist sie in psychiatrischer Behandlung, hat deshalb auch einen Schwerbehindertenausweis. Im vergangenen Jahr allein war sie fünf Mal in der Klinik. Zurzeit geht es besser. Sie wurde medikamentös neu eingestellt, ein Pflegedienst überwacht die regelmäßige Einnahme der Tabletten. „Zuerst wollte ich das nicht“, gesteht sie. „Aber es ist schon besser für mich.“

Glaube als starke Stütze

Doch nicht nur die Medikamente sorgen für Wilkes seelisches Gleichgewicht. Auch ihr Glaube hilft der Leipzigerin dabei, dass ihr Leben trotz psychischer Beeinträchtigung nicht ganz aus den Fugen gerät. Evangelisch getauft und erzogen, war sie von jeher empfänglich für spirituelle Erlebnisse. Eine Tante, die im katholisch geprägten Eichsfeld lebt, nahm sie immer wieder in katholische Messen mit. „Da habe ich mich sofort zu Hause gefühlt.“ Daheim in Leipzig besucht sie regelmäßig evangelische Gottesdienste, knüpft Kontakte im Kirchencafé und sieht Sendungen auf Bibel-TV. Und natürlich wird sie den Katholikentag im Mai besuchen. Ihr Mann will sie begleiten, auch wenn er selbst keiner Kirche angehört.

Im vergangenen Herbst schon hatte Wilke eine Einladung in der Post vorgefunden. Seit sie 2010 beim Ökumenischen Kirchentag (ÖKT) in München war, ist sie in der Adresskartei des Katholikentags. Schon am nächsten Tag rief sie in der Geschäftsstelle an, um sich für das Großereignis anzumelden. „Katholikentag in meiner Heimatstadt, das kann ich mir doch nicht entgehen lassen“, sagt sie entschlossen. Am Eröffnungsgottesdienst will sie auf jeden Fall teilnehmen, auch an den geistlichen Angeboten in der schönen neuen Propsteikirche. Vor allem aber hofft sie, Kontakte zu anderen Gläubigen zu knüpfen. Das hat ihr schon beim ÖKT gefallen. „Zu der Familie, bei der wir damals untergebracht waren, haben wir noch heute Kontakt“, erzählt sie.

„Katholikentag in meiner Heimatstadt, das kann ich mir doch nicht entgehen lassen.“

Damit Menschen mit Behinderung unbeschwert am Katholikentag teilnehmen können, gibt es eine Vielzahl von speziellen Angeboten. Gebärden- und Schriftdolmetscher gehören ebenso dazu wie Begleitdienste und Leih-Rollstühle. Letzteres interessiert auch Sabine Wilke. Zu ihrer eigenen psychischen Beeinträchtigung kommt nämlich hinzu, dass ihr Mann gehbehindert ist. Lange stehen oder laufen kann er nicht, weshalb es beim ÖKT auch schon mal zu Problemen gekommen ist. „Beim Abschlussgottesdienst hat mein Mann keinen Sitzplatz bekommen. Da mussten wir leider gleich wieder gehen“, bedauert Wilke. Welche Angebote es für Menschen mit Behinderung gibt, habe ihr damals niemand gesagt. Diesmal ist sie besser informiert. Per Post hat die Leipzigerin schon eine Infobroschüre in Leichter Sprache erhalten, in der alle wichtigen Informationen aufgelistet sind. Dass es die Leihrollstühle im Infozentrum am Zoo gibt, hat sie sich schon dick angestrichen. „Den Rollstuhl kann ich übrigens selber schieben“, sagt sie nicht ohne Stolz. „Ich habe ein paar Jahre als Altenpflegerin gearbeitet.“

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