Thomas Walk, eGenius-Geschäftsführer

Als Thomas Walk 1992 erstmals die Geschäftsstelle des 25. Deutschen Evangelischen Kirchentags in München betrat, ahnte er noch nicht, dass sein Leben eine ganz neue Wendung nehmen würde. Walk, damals Zivildienstleistender, kümmerte sich um Printpublikationen – dafür wurde er vom Kirchentags-Geschäftsführer in die EDV-Abteilung gesteckt, „da diese ja mit dem Computer hergestellt werden“. Zur damaligen Zeit ein nicht selbstverständliches Arbeitsmittel. Untergebracht war das „Orga-Team“ auf einem noch teilweise genutzten Kasernengelände. Bewacht von Uniformierten, lebte der Zivildienstleistende Walk mit zwei Dutzend Kollegen gemeinsam einige Monate im ehemaligen Sanitätsgebäude. „Die größte WG, die ich jemals bewohnt habe“, erzählt er. „Und der beste Zusammenhalt unter Kollegen. Morgens kochten wir zusammen die Frühstückseier und tagsüber organisierten wir gemeinsam diese Großveranstaltung mit tausenden von Teilnehmern. Das war eine andere Welt“, erinnert sich der sympathische 42-Jährige heute in seinem Büro in Hamburg-Eimsbüttel. In dem Stadtteil lebt er auch mit seiner Frau Birgit Klaissle-Walk, Generalsekretärin der katholischen Auswanderer-Hilfe „Raphaelswerk“, und ihrer wenige Monate alten Tochter. „In einer guten ökumenischen Ehe“, ergänzt Walk.

Auch technisch war der erste Job für den damals 19-Jährigen ein enormer Sprung: An seinem Kirchentags-Arbeitsplatz stand ein Apple SE30 mit zusätzlichem externen Monitor – im Jahr 1992 eine Rarität. Die meisten Kollegen arbeiteten an „Terminals“, also an Bildschirmen, die an einen Zentralrechner im Keller angeschlossen waren. „Dieses vernetzte Arbeiten war damals schon weit vorne“, sagt er. Die wichtigste Aufgabe von Walks Team: Sie sollten das mit Schreibmaschinen ausgerüstete Pressezentrum auf ein IT-gestütztes Arbeiten umstellen. Angeleitet hat ihn beim Münchener Kirchentag 1993 Christian Ditters, heute Walks Geschäftspartner bei der eGenius oHG.

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Ihre „Agentur für Kommunikations- und Projektmanagement“ ist seit 1999 auch an der Organisation der Katholikentage maßgeblich beteiligt. Mit zehn Mitarbeitern schafft Walk  die technologischen Voraussetzungen für einen reibungslosen Ablauf dieser Großveranstaltung mit bis zu 50.000 Teilnehmern und über 600 Veranstaltungsorten, die vom einfachen Aufenthaltsraum bis zur Kongresshalle reichen. Dazu kommen noch die Katholikentags-Mitarbeiter: Organisiert wird der Katholikentag alle zwei Jahre von rund 50 Festangestellten, zu denen kurz vor der Veranstaltung etwa 100 ehemalige Mitarbeiter stoßen. Während des Katholikentags sind zusätzlich mehrere hundert Ehrenamtliche unterwegs. „Unsere Aufgabe besteht darin, Plattformen zu schaffen, die zwischen Veranstaltern, Teilnehmern und Mitwirkenden vermitteln“, sagt der in Oldenburg geborene IT-Manager mit den kurzen Haaren, der auch im Winter T-Shirts zu dunklen Jeans trägt.

Die besondere Herausforderung bei einem Katholikentag: Anders als bei Bundesliga-Spielen oder Konzerten wechseln die Beteiligten die Rollen. „Rund ein Drittel der Teilnehmenden treten auch auf irgendeiner Bühne auf und brauchen daher zusätzliche Informationen und Zugänge“, sagt der Soziologe, der seine Diplomarbeit über Internetradios geschrieben hat. Insofern sind die Kirchen- oder Katholikentage allenfalls mit dem Deutschen Turnfest zu vergleichen, wo Zuschauer auch massenhaft zu Mitwirkenden werden. Aus diesem Grund müssen bei solchen Großveranstaltungen besonders viele Informationen auf möglichst vielen Plattformen für jeden zugänglich sein. „Das geht nur mit einem einheitlichen IT-System für alle Beteiligten und für alle Belange“, so Walk. In diesem „Herzstück“ (Walk) werden alle wichtigen Daten gesammelt: von den Standorten der Erste-Hilfestationen über die Auftrittsorte bis zu einer Quartierverwaltung für die über 25.000 auswärtigen Gästen, die beim nächsten Katholikentag in Leipzig erwartet werden.

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Thomas Walk testet die Katholikentags-App in Leipzig.

Für all diese Daten, die früher nur auf einzelnen, teilweise handgeschriebenen Zetteln vorlagen, hat Walks Team in den vergangenen Jahren ein Datenbanksystem geschaffen, damit diese zentral erfasst werden. „Dabei mussten wir manchmal ganz schön dicke Bretter bohren“, erzählt er. So musst eGenius einige Mitarbeiter überreden, Informationen mit allen zu teilen. „Natürlich war nicht jeder begeistert, Wissen und damit Verantwortung abzugeben, aber die Vorteile einer gemeinsamen Datenbank beispielsweise auch mit den Standorten von Erste-Hilfe-Stationen hat sie irgendwann überzeugt.“ Seit zwei Jahren sind solche und andere Informationen auch während des Katholikentags über eine Smartphone-App abrufbar. Besonders hilfreich sei hier laut Walk eine kartenbasierte Darstellung, die Veranstaltungen in der Nähe anzeigt oder eine persönliche Favoritenliste, die sich auch mit den Favoriten unter katholikentag.de synchronisiert. Pläne für den Katholikentag 2018 in Münster hat der umtriebige IT-Spezialist natürlich auch schon: In Zukunft will Walk die Datenbanken des Katholikentags noch stärker mit Social-Media-Kanälen verknüpfen „Dann können Besucher, Teilnehmer und Veranstalter noch in der Halle über die Rede von Angela Merkel beim Katholikentag diskutieren.“

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