Julia Maria Kaiser, Katholikentagshelferin und Mitarbeiterin in einer PR-Agentur aus München

Menschen wie sie machen den Katholikentag überhaupt erst möglich: Julia Kaiser, 28, koordiniert das Helfer-Zentrum – und das ehrenamtlich. Da bleibt selten Zeit, um an dem Programm teilzunehmen. Doch einen Termin möchte sie sich auf jeden Fall freihalten.

Der Papst ist nur ein kleiner weißer Punkt, dort vorne irgendwo. Keinen Schritt kann Julia Kaiser nach vorne gehen und auch keinen zurück. So dicht gedrängt steht sie zwischen den Menschen auf dem Marienfeld. Aber das ist ihr egal. Sie beten gemeinsam, sie singen gemeinsam. „Sie alle sind aus dem gleichen Grund hier wie ich“, denkt sie sich. Es ist der Abschlussgottesdienst beim Weltjugendtag in Köln 2005.

kaiser_03Es war überwältigend – das findet Julia Kaiser auch noch heute, mehr als zehn Jahre später. Das Gefühl, mit so vielen Menschen etwas zu teilen, das bewegt Julia Kaiser noch immer. Wenn sie davon spricht, dann mit einem Lächeln, den Blick nach oben gerichtet, als könne sie das Marienfeld vor sich sehen. Dabei sitzt sie an ihrem Schreibtisch in einer Münchner PR-Agentur. Draußen ist es bereits dunkel.

Beim Weltjugendtag in Köln hat Julia Kaiser als ehrenamtliche Helferin Stühle aufgebaut und Menschen an der U-Bahn-Station den Weg erklärt. Sie erinnert sich: Damals war sie extra für den Weltjugendtag aus ihrer Heimat im Schwarzwald nach Köln gekommen. Anstrengend sei das gewesen: An einem Tag gab es kein Essen mehr für die Helfer, an einem anderen regnete es wie aus Eimern. „Mein Zelt war ganz klamm, alles war kalt und ich konnte einfach nicht schlafen“, sagt sie. „Da denkt man sich dann schon: Was mache ich hier nur?“ Sie lacht. Wie ein kleines Abenteuer sei das alles gewesen. Dass es sich gelohnt hat, war aber spätestens bei dem Abschlussgottesdienst auf dem Marienfeld für sie klar. Es war der Moment, der sie heute noch dazu motiviert als Helferin beim Katholikentag zu arbeiten: in Osnabrück, Regensburg und jetzt auch in Leipzig.

Beim Katholikentag in Leipzig gehört Julia Kaiser mittlerweile zur „erweiterten Orga-Leitung“ – schließlich hat sie jahrelange Erfahrung. Sie wird dafür sorgen, dass überall genug Helferinnen und Helfer stehen und sich um die Besucher kümmern. „Einmal musste eine Veranstaltung fast abgesagt werden, weil zu wenig Helfer da waren“, sagt sie „Ich hoffe, dass uns in Leipzig solche Fehler dann nicht passieren.“ Damit das klappen kann, rechnet sie mit rund 1.000 Ehrenamtlichen. Doch bislang haben sich erst 500 gemeldet. Julia Kaiser bleibt aber positiv: „In Regensburg haben wir auch erst gedacht, dass wir nicht genügend Leute zusammen bekommen – und am Ende waren wir fast zu viele“, sagt sie.

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Für den Katholikentag nimmt sich die 28-Jährige Urlaub von ihrem Job in der PR-Agentur. „Die fünf Tage dort werden wahrscheinlich wenig Schlaf und viel Zeit am Telefon für mich bedeuten“, sagt sie. Aber einfach nur als Besucherin zum Katholikentag zu kommen, kann sie sich nicht vorstellen:

„Mir macht es Spaß, etwas mitzugestalten. Und wenn ich dann da bin, will ich auch überall meine Finger im Spiel haben.“

Einen Termin aber hat sie sich freigehalten. Dann wird sie das Telefon ausschalten und nicht arbeiten. Sie wird auf dem Boden sitzen, Lieder singen und eine Kerze anzünden. Und das  zusammen mit vielen anderen Menschen in Leipzig. „Die ‚Nacht der Lichter‘ ist für mich ein Muss. Da gehe ich jedes Mal hin“, sagt sie. „Das ist… das ist soo… weiß ich nicht, wie ich das beschreiben soll.“  Dann lächelt sie wieder und blickt nach oben. So, als könnte sie das Marienfeld vor sich sehen.

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Fotos: © Christina Schmitt

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