Roland Schmidt, Marktstandbesitzer in der Leipziger Innenstadt

Natürlich freut sich Roland Schmidt, dass der Katholikentag 2016 nach Leipzig kommt. „Events tun Leipzig gut“, betont der Mittfünfziger, der seit 26 Jahren Thüringer Wurstwaren auf dem Wochenmarkt in der Innenstadt verkauft. Ein gläubiger Mensch ist er nicht. „Aber ich bewundere jeden, der einen Glauben hat.“ Und überhaupt: Kirche und Leipzig passen für Schmidt bestens zusammen. Dass die Mehrheit der Leipziger keiner Konfession mehr angehört, ist für ihn da kein Hinderungsgrund. „Denken Sie nur an Bach, an Mendelssohn, an die Thomaner. Sie kamen und kommen doch alle aus einer kirchlichen Tradition.“

Ein Problem hat Schmidt dann aber doch mit dem Katholikentag. Oder besser gesagt: Er hat es weniger mit dem Katholikentag als mit der Stadt Leipzig. Die nämlich lässt Großveranstaltungen am liebsten am Marktplatz stattfinden. Der Wochenmarkt muss dann umziehen. „Für uns Händler hat das finanzielle Einbußen zur Folge.“ Ganz bewusst wählt Schmidt die Formulierung „für uns Händler“, denn als Vorsitzender des Leipziger Markthändlerverbands vertritt er auch seine Kollegen. Er weiß, dass viele von ihnen jeden Euro gebrauchen können. „Ich kenne etliche, die von ihrem Marktstand nicht leben können“, erzählt er. Sie beziehen zusätzlich noch Hartz IV oder Wohngeld. Oder sie arbeiten noch, obwohl sie das Rentenalter schon längst erreicht haben. Und just diesen Leuten wirft man dann noch Knüppel zwischen die Beine. „In einem reichen Land wie Deutschland ist das eine schwache Nummer“, klagt der Markthändler.

Auf dem Markt ist Platz für alle

Natürlich bringen Großveranstaltungen viele Leute in die Stadt. Davon aber profitieren, so Schmidt, vor allem die Hotels und Restaurants. „Welcher Tourist kauft denn schon auf dem Wochenmarkt ein?“ Dem Marktamt hat der Verbandsvorsitzende daher vorgeschlagen, über alternative Veranstaltungsorte nachzudenken. Auch ein „Zusammenrücken“ könnte er sich vorstellen. „Der Platz ist groß genug. Da passen doch eine Bühne und Marktstände hin.“ Doch bisher wollte niemand auf solche Vorschläge eingehen.

Trotz dieser Scharmützel, trotz Wind, Regen und Kälte – Roland Schmidt steht gerne auf dem Markt. Bis zur Wende war er Lehrer an der betriebseigenen Berufsschule des „Kombinat Polygraph“, das vor allem Buchbinderei- und Druckmaschinen herstellte. Als die Schule geschlossen wurde, ließ er sich nicht unterkriegen und sattelte kurzerhand auf Wurstverkauf um. Mit Erfolg. An seinem Job liebt Schmidt vor allem den persönlichen Kontakt zu den Kunden. „Es wird ja alles immer anonymer. Wir Markthändler können noch Auskunft zu unseren Produkten erteilen.“ Wie zum Beweis legt er einem Kunden nahe, doch auch einmal die köstliche Schwarzbiersalami zu versuchen. „Da ist Köstritzer drin, Deutschlands meist getrunkenes Schwarzbier.“ Und der Kunde greift zu.

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1 Kommentar

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  1. M. Kappler

    Ich liebe Wochenmärkte sehr und daher möchte ich mir den aus Leipzig sehr, sehr gerne anschauen. Das passt doch ganz wunderbar zum Thema Regionalität und soziale Verantwortung beim Thema Ernährung.