Martin Stauch, Geschäftsführer des 100. Deutschen Katholikentags, Leipzig

Das ist Martin Stauch noch nie passiert. Seit 2003 ist er Geschäftsführer der Deutschen Katholikentage, aber so viel Gegenwind gleich zu Beginn, das hat ihn doch unerwartet getroffen. „Kaum hatten wir unsere Geschäftsstelle in Leipzig eröffnet, begann schon die Diskussion um den Zuschuss der Stadt“, erinnert sich der promovierte Historiker. Gegner brachten ein Bürgerbegehren auf den Weg, die Zustimmung des Stadtrats stand lange auf Messers Schneide. Er selbst musste viele Klinken putzen und eine Menge Überzeugungsarbeit leisten, ehe alles in trockenen Tüchern war. „Hier in Leipzig, das bekamen wir vom ersten Moment an zu spüren, ist das Umfeld schon sehr anders. Eine kirchliche Großveranstaltung ist hier nicht selbstverständlich.“

In Ulm, Saarbrücken und Osnabrück, Mannheim und Regensburg hat Stauch schon Katholikentage auf die Beine gestellt, dazu den Ökumenischen Kirchentag 2010 in München mitorganisiert, aber amtsmüde ist der gebürtige Frankfurter noch lange nicht. „Hochgradig spannend“ nennt er seine Arbeit, vielfältig und abwechslungsreich. Alle zwei Jahre findet ein Katholikentag statt, und doch gleicht keine Veranstaltung der vorigen. Bestimmte Strukturen bleiben gleich, Erfahrungen und Know-how werden weitergegeben, aber die Orte, die Akteure, die Belegschaften wechseln, erklärt der 50-Jährige:

„Wir haben ein Raster, das wir alle zwei Jahre neu mit Leben füllen müssen.“

Dass es dieses Raster überhaupt gibt, ist nicht zuletzt Stauchs Verdienst. 2008 organisierte er erstmals einen Katholikentag nach den Regeln der „Gesellschaft für Projektmanagement“. 2011 gab es schließlich das ersehnte Zertifikat mit der Note „sehr gut“. Ebenfalls 2008 führte er den klimaneutralen Katholikentag ein. Besonderes Augenmerk richtete er zudem auf den Bereich Ehrenamt. Von 1.500 stieg die Zahl der ehrenamtlichen Helfer auf zuletzt 2.200, junge Leute brachten sich wieder verstärkt ein. Für ehrenamtliche Funktionsträger gründete er eine Akademie. In insgesamt neun Modulen lernen die Teilnehmer dort, wie sie bei der kirchlichen Großveranstaltung den Überblick bewahren, Helferteams führen und mit Krisensituationen umgehen können.

stauch_portraetSo spannend Stauchs Arbeit ist – sie bringt auch eine große Herausforderung mit sich. Alle zwei Jahre muss der Geschäftsführer in eine andere Stadt ziehen, muss dort beruflich Fuß fassen, aber auch versuchen, privat einigermaßen heimisch zu werden. „Das ist anstrengend“, gesteht der dreifache Vater. Seine Familie sieht er nur am Wochenende. Einmal ist sie mit ihm umgezogen, 2004, im Vorfeld des Saarbrücker Katholikentags – was die Sache langfristig nicht leichter gemacht hat. Denn seitdem muss Stauch immer in den äußersten Westen der Republik pendeln. Auch ein Hobby, das Basketballspielen, musste er an den Nagel hängen. „Sich alle zwei Jahre einen neuen Verein zu suchen, das war dann doch zu schwierig.“ Heute geht er lieber wandern.

Dennoch – Martin Stauch beklagt sich nicht. Im Gegenteil: „In regelmäßigen Abständen eine neue Stadt kennenzulernen, macht mir großen Spaß.“ Zwei Jahre seien auch ein guter Zeitraum. Lang genug, um in der Stadt wirklich anzukommen, aber auch kurz genug, um wieder umzuziehen, bevor es vielleicht langweilig wird. Ob er Strategien hat, die das Heimischwerden erleichtern? „Ich habe dazugelernt“, erzählt Stauch. Statt wie anfangs in eine möblierte Wohnung zu ziehen, bringt er sich seine Möbel inzwischen selber mit. Und er beginnt so früh wie möglich damit, die Stadt zu erkunden. Auch hänge das mit dem Heimischwerden von der jeweiligen Stadt ab. In Leipzig etwa ging es schnell. Denn so schwer der Start dort aus beruflicher Sicht war, so leicht hat es die Stadt Martin Stauch privat gemacht:

„Es ist eine echte Großstadt, jung, attraktiv, mit sehr viel Kultur auf sehr engem Raum. Das hat mich von Anfang an begeistert.“

Mit entsprechend großer Neugier sieht Martin Stauch dem Leipziger Katholikentag entgegen. „Die entscheidende Frage lautet: Werden unsere Konzepte aufgehen? Werden sich die Nichtglaubenden auf einen Dialog einlassen?“ Anknüpfungspunkte sieht der Geschäftsführer bei sozialen Themen, beim Umweltschutz oder beim fairen Handel. „Ich hoffe, wir können mit unseren Angeboten in diesen Bereich die Neugier der Leipziger wecken.“

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