Barbara Krause, Katholikentagsbesucherin seit 1970 aus Aachen

Ein Stichwort genügt – und Barbara Krause beginnt zu erzählen. An ihren ersten Katholikentag, 1970 in Trier, hat sie nicht viele Erinnerungen. Aber 1974 in Mönchengladbach, „da lag was in der Luft“. Es war die Zeit der Würzburger Synode. Wenige Jahre nach dem Abschluss des Zweiten Vatikanischen Konzils rang die Kirche in Deutschland um eine Neuausrichtung. Diskussionsstoff gab es also genug, Spannungen und Konflikte waren allgegenwärtig. Krause, frisch gebackene Doktorin der Politikwissenschaft, war damals Vorsitzende des Bundes der Deutschen Katholischen Jugend (BDKJ). Mit der „Aktion Aluschok“ (Aluminium und Schokolade) versuchte der Jugendverband erstmals das Thema „Fairer Handel“ auf einem Katholikentag zu platzieren. „Wir hatten das bei den Niederländern kennengelernt“, erinnert sich die heute 70-Jährige.

Mit Barbara Krause über die Geschichte der Katholikentage zu sprechen, gleicht dem Blick in eine Chronik. Eins ums andere Mal nennt die emeritierte Politikprofessorin die verschiedenen Austragungsorte, hat selbstverständlich auch die jeweiligen Leitworte parat. Und natürlich weiß sie auch, ob es „ein guter Katholikentag“ war oder doch eher „Business as usual“. Und gut war es für Krause immer dann, wenn sich etwas bewegt hat. So wie 1978 (Beitragsbild oben) in Freiburg:

„Da war Aufbruchsstimmung zu spüren. Die Kirche hatte die Debatten der vergangenen Jahre hinter sich gelassen und man konnte offen über alles diskutieren.“

Oder 1990 in Berlin: Erstmals konnten Christen aus Ost und West gemeinsam an einem Katholikentag teilnehmen. „Im Gespräch wurde uns schnell klar, dass sich die Einheit keineswegs, wie von Helmut Kohl behauptet, aus der Portokasse finanzieren ließe“, erinnert sich Krause.

Weitere Highlights gefällig? Der Ökumenische Kirchentag 2003 in Berlin mit seinen berührenden ökumenischen Segensfeiern, das „Wagnis Dresden“ 1994, vor allem aber der Katholikentag 2008 in Osnabrück, der so fröhlich und offen war. „Da herrschte eine Atmosphäre der Weite, die ich bis heute in bester Erinnerung habe“, betont Barbara Krause.

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Barbara Krause, Katholikentag 2012, Mannheim

Auch wenn Barbara Krause als Mitglied im Zentralkomitee der deutschen Katholiken und langjährige stellvertretende Vorsitzende der Deutschen Kommission Justitia et Pax schon kraft Amtes viele Katholikentage besuchte – eine lästige Pflichtübung war es für sie nie. Im Gegenteil: Als die Kinder alt genug waren, wurde aus der Reise zum Katholikentag kurzerhand ein Familienausflug. „In Dresden 1994 haben wir direkt vor dem Hygienemuseum gecampt“, erinnert sich die vierfache Mutter, „und mein Jüngster bekam beim Fußballspielen einen Sonnenstich.“ Der guten Stimmung aber tat das keinen Abbruch. Begeistert nahm der Nachwuchs am Kinder- und Jugendprogramm teil und knüpfte Kontakte zu Gleichaltrigen aus allen Teilen Deutschlands.

In Leipzig wird Barbara Krause selbstverständlich wieder mit von der Partie sein. „Wahnsinnig neugierig“ ist sie, wie diese Stadt auf das kirchliche Großereignis reagieren wird. Werden sich die Menschen berühren und bewegen lassen? Das Motto schließlich – „Seht, da ist der Mensch“ – könne nicht passender gewählt sein angesichts von Terrorismus und Flüchtlingskrise und biete auch für Nichtglaubende Anknüpfungspunkte.

Ob sie nicht langsam genug hat nach 45 Jahren Katholikentag? „Bestimmt nicht“, sagt Krause. Noch immer fasziniert sie der Dreiklang aus lernen, begegnen und wohlfühlen. Und noch immer begeistert sie die ganz besondere Atmosphäre dieser Großveranstaltung. In Berlin 1990 habe sie sie einmal wie in einem Brennglas spüren können. Weil zeitgleich zum Katholikentag ein wichtiges Fußballspiel stattfand, ist es in der U-Bahn zu Überlastungen gekommen. Ein völlig überfüllter Bahnhof erlaubte kein Weiterkommen. Unmut, Anspannung, Angst machten sich breit. „Plötzlich haben die Katholikentagsbesucher angefangen, Taizé-Lieder zu singen“, erzählt sich Krause. „An die verwunderten Gesichter der Fußballfans erinnere mich bis heute. Aber die Stimmung war gerettet.“

Text und Bilder sind lizenziert nach der Creative Commons Attribution CC BY-ND 4.0.

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